Juli Briskman ist inzwischen Lokalpolitikerin | Bildquelle: AFP

Wahl in Virginia Der Jubel der "Mittelfinger-Frau"

Stand: 06.11.2019 22:20 Uhr

Über den Wahlsieg der Demokraten in Virginia hat sich wohl kaum jemand so gefreut wie Juli Briskman. Ihr Mittelfinger machte sie berühmt und kostete sie dann den Job. Heute ist sie Politikerin.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Ihr linker Mittelfinger hat Juli Briskman berühmt gemacht: Ihr Finger und ihr Rücken sind gut zu erkennen auf einem Foto, das vor zwei Jahren um die Welt ging. "Dieses Bild wird mich den Rest meines Lebens verfolgen", sagte Briskman der "HuffPost". "Das ist mein Hintern, das ist mein Finger. Aber wenn es das ist, was dieses Land braucht, dann freue ich mich, dieser Mensch zu sein."

Bei einer Radtour in Virginia wird die 52-Jährige von Donald Trumps Tross überholt, der Präsident ist auf dem Weg zum Golfplatz. Briskman zeigt der Kolonne den Stinkefinger, eine spontane Geste mit Folgen, denn ein Fotograf hält das Ganze fest. Erst ist sie amüsiert, als das Bild viral geht. Dann aber verliert sie ihren Job: Sie habe dem Unternehmen geschadet, findet ihr Arbeitgeber. Die alleinerziehende Mutter, ohnehin schon politisch aktiv, nutzt ihre Prominenz, kandidiert für die Demokraten und hat nun einen Job in der Lokalpolitik.

Juli Briskman zeigt Trump den Stinkefinger | Bildquelle: AFP
galerie

Dieses Bild machte Briskman berühmt. Sie selbst teilte das Foto auf Facebook und Twitter. Ihr Arbeitgeber - ein Bauunternehmer, der auch für die US-Regierung arbeitet - kündigte ihr daraufhin. Begründung: Die Geste sei obszön.

Nicht nur für Briskman, auch für die demokratische Partei an sich ist dieser Wahltag ein Triumph. 26 Jahre lang haben in Virginia die Republikaner regiert. Nur der Gouverneur war ein Demokrat. Nun kann Ralph Northam mit der Mehrheit in beiden Häusern tatsächlich seine Politik umsetzen. Ein großes Thema, das die Wähler bewegt hat, waren schärfere Waffengesetze: "In Virginia sind voriges Jahr mehr als 1000 Menschen durch Waffengewalt gestorben", sagt der Gouverneur bei CNN, und nun glaubten die Menschen, genug sei genug.

Natürlich habe auch die Bundespolitik eine Rolle gespielt. Trumps Handelsstreit sei schlecht für die Wirtschaft in Virginia, so Northam, zum Beispiel für die Landwirte, die von den Zöllen auf Sojabohnen schwer getroffen seien.

Hohe Mieten treiben demokratische Wähler nach Virginia

Was den Demokraten in Virginia ganz offensichtlich geholfen hat, ist die Nähe zur Hauptstadt. Die hohen Immobilienpreise von Washington treiben viele Familien in den Norden von Virgina, und dort, im Speckgürtel, wird nun demokratisch gewählt.

Präsident Trump hat sich im Wahlkampf von Virginia nicht blicken lassen, wohl aber nebenan in Kentucky, einem traditionell konservativen Bundesstaat, wo er vor drei Jahren mit sattem Vorsprung gewonnen hatte. Dort rief er diese Woche noch seine Anhänger dazu auf, unbedingt wählen zu gehen.

"Ihr müsst wählen gehen. Denn wenn ihr verliert, ist das ein ganz schlechtes Signal. Dann wird es heißen: Trump hat die schlimmste Niederlage in der Geschichte der Welt erlitten. Das könnt ihr mir nicht antun!"

Demokraten hoffen auf Schub

Das könnte Trump nun in Verlegenheit bringen. Denn sein Kandidat Matt Bevin, der amtierende Gouverneur, hat die Wahl tatsächlich verloren, wenn auch sehr knapp, mit nur einem halben Prozentpunkt Rückstand auf den Herausforderer von den Demokraten. Bevin hat die Niederlage bisher nicht anerkannt. Über die Bedeutung dieses Ergebnisses wird nun gestritten. Die Republikaner werten es als Ausreißer, die Demokraten hoffen, wie so oft, auf einen Schub für die Wahlen im nächsten Jahr. In Mississippi, wo ebenfalls gewählt wurde, bleibt hingegen alles beim Alten. Dort siegte, wie erwartet, der Kandidat der Republikaner.

Stinkefinger für Trump: Demokraten gewinnen in Virginia
Katrin Brand, ARD Berlin
06.11.2019 21:45 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. November 2019 um 21:49 Uhr.

Darstellung: