Vietnamesische Kakaobohnen

Edel-Chocolatiers in Vietnam "Hey, ist das Kakao?"

Stand: 26.05.2016 12:03 Uhr

Treffen sich ein Werber und ein Banker in Vietnam, schmeißen ihre Jobs hin und machen ab sofort Schokolade. Kurz darauf exportieren sie rund um den Globus, erhalten einen Preis nach dem andern und die "New York Times" nennt ihr Produkt die beste Schokolade der Welt.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Südostasien

Der Weg zur Schokolade ist mit Abenteuern gepflastert: Samuel Maruta fährt mit einem 40 Jahre alten Citroen LaDalat ohne Gurte, Scheiben oder nennenswerte Technik, den er in einer Scheune auf dem vietnamesischen Land gefunden hat, schwungvoll durch den wahnsinnigen Verkehr von Ho-Chi-Minh-Stadt, dann durch ein abgehalftertes Industrieviertel, das in seinem Straßenlabyrinth schwer zu durchschauen ist, und durch ein leicht lädiertes, mintgrünes Schiebetor.

Begegnung im Dschungel

Hier verbirgt sich eine vietnamesische Erfolgsgeschichte, die wie ein Märchen klingt: Es waren einmal zwei frustrierte Schreibtischtäter, ein franko-japanischer Banker und ein franko-amerikanischer Werber, die suchten sich selbst. Sie fanden den jeweils anderen, auf einer Wanderung durch den Dschungel. Gemeinsam machten sie sich auf, einen Schatz zu suchen, sie teilten nämlich eine Leidenschaft: Kakao. Sie fuhren mit dem Motorrad durch Vietnam. "Und wir wussten gar nichts über Kakao, hielten immer wieder an, fragten: Hey, ist das Kakao?", erzählt Vincent Mourou. "Nein, das ist eine Kaffeepflanze, okay, sorry, dann weiter."

Samuel Maruta, Chocolatier in Vietnam
galerie

Gemeinsame Leidenschaft für Kakao: Samuel Maruta ...

Vincent Mourou, Schokoladenhersteller in Vietnam
galerie

... und Vincent Mourou, Chocolatiers in Vietnam

Mr. Duc, so hieß der erste Kakaofarmer, den sie schließlich fanden, verkaufte ihnen mit ihrem ersten Sack Kakao auch einen Schatz: "Wir hatten ein solches Glück: Er war ein sehr guter Farmer. Hätten wir jemand Mittelmäßiges getroffen, hätten wir das Ganze vielleicht gelassen, aber die Schokolade, die wir aus diesen Bohnen improvisierten, schmeckte direkt besonders! Mr. Duc ist immer noch unser Lieferant."

Sinn für Abenteuer

Die beiden schrieben ihre eigene Schatzkarte, eine Art Manifest für ihren Schokoladenschatz: Bei "Marou" - eine Kombination aus ihren Nachnamen Mourou und Maruta - geht es um Qualität statt Quantität. Die Schokolade soll in Vietnam mit vietnamesischen Zutaten so natürlich wie möglich produziert werden, und: Der Sinn für Abenteuer darf nicht untergehen.

Und so kaperten die beiden einfach die Landwirtschaftskurse eines deutschen Agronomen von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, sie kauften in einem indischen Warenhaus in Singapur eine Linsenmühle, sie ersteigerten über eBay einen 80 Jahre alten Kaffeeröster in Frankreich. Den Rest der Ausrüstung bauten sie selbst und legten los.

Säcke mit Kakaobohnen lagern bei Marou in Ho-Chi-Minh-Stadt.
galerie

Säcke mit Kakaobohnen lagern bei Marou in Ho-Chi-Minh-Stadt.

Heute liegen in ihrem Lagerhaus zehn Tonnen Kakaobohnen in Jutesäcken mit ihrem Logo darauf, von kleinen Farmen, vom Mekong-Delta bis ins Hochland, jeder Sack Kakao getestet. Ein riesiger Röster läuft bei 110 Grad. Die Bohnen werden geschält und von Hand nachgearbeitet, dann laufen 13 Conchiermaschinen bis zu 48 Stunden lang. Schließlich gießt ein Chocolatier die Masse in Form, klopft die Luftblasen heraus und das Ergebnis wird von Hand eingepackt.

Wie Goldbarren liegen die Riegel im Regal, ein echter Schatz, glänzend und satt. "Wir produzieren 100 Kilo pro Tag, die gehen nach Nordamerika, Australien, Korea, Japan, Europa."

Wie Goldbarren lagern die fertigen Schokoladetafeln im Regal.
galerie

Wie Goldbarren lagern die fertigen Schokoladetafeln im Regal.

Schokoladenproduktion in Ho-Ch-Minh-Stadt
galerie

Und am Ende gibt es noch eine Banderole.

Für jedes Land und jede Herkunftsprovinz gibt es schließlich eine eigene Banderole, in grün, gelb, rot oder blau, wunderschön gestaltet mit Jugendstilelementen. Und dann ist da noch "'Treasure Island", ein spezieller Riegel. Die Bohnen dafür kommen von einer Farm auf einer Insel im Mekong Delta. Einer Schatzinsel eben. Und der Geschmack? Märchenhaft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 26. Mai 2016 um 05:22 Uhr.

Darstellung: