Absprerrung vor der Häuserreihe, in der sich die Wohnung von dem mit Nowitschok vergifteten Pärchen befindet. | Bildquelle: dpa

Vergiftung mit Kampfstoff Frau hielt Nowitschok für Parfüm

Stand: 24.07.2018 15:10 Uhr

Der mit Nowitschok in Kontakt gekommene Brite hat wahrscheinlich durch einen Irrtum den Tod seiner Lebensgefährtin verursacht. Er habe ihr ein Parfüm-Fläschchen geschenkt, ohne zu wissen, dass es das Nervengift enthielt.

Der Tod einer 44-jährigen Frau in Südengland durch den Kampfstoff Nowitschok ist offenbar durch einen fatalen Irrtum verursacht worden. Er habe "eine kleine Kosmetikflasche" gefunden, "die ich aufhob und ihr schenkte", sagte ihr Lebensgefährte der britischen Zeitung "The Sun".

Der 45-Jährige sagte, er sei sehr traurig über das Geschehene und werde wohl nie darüber hinwegkommen. Er und seine Freundin waren Ende Juni mit Vergiftungssymptomen in die Klinik gebracht worden - die Frau starb am 8. Juli. Der Mann konnte am vergangenen Freitag aus dem Krankenhaus entlassen werden, ist aber noch gesundheitlich angeschlagen.

Herkunft der Flasche unbekannt

Die kleine Flasche mit dem Nervengift, die das Paar für Parfüm hielt, hatten Ermittler in seiner Wohnung in Amesbury entdeckt. Bislang war aber nicht bekannt gegeben worden, wie sie dort hingekommen sein könnte.

Die Behörden schließen nicht aus, dass noch weitere Gegenstände und Orte in der Umgebung von Salisbury mit Nowitschok kontaminiert sein könnten. Sie warnten davor, unbekannte Dinge vom Boden aufzuheben.

Beamte der Polizei suchen den Park ab, in dem der ehemalige russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia vergiftet mit Nowitschok gefunden wurden. | Bildquelle: dpa
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Polizisten suchen den Park ab, in dem der ehemalige russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia vergiftet mit Nowitschok gefunden wurden.

Schwere diplomatische Krise

Die Ermittler glauben, dass der Fall mit dem Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal (67) und dessen Tochter Julia (33) zusammenhängt. Sie waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden, nur wenige Kilometer vom Amesbury entfernt. Sie entkamen nur knapp dem Tod.

London bezichtigte Moskau, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später experimentierten aber auch andere Länder mit dem Kampfstoff.

Der Kreml wies die Vorwürfe zurück. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Ein Bericht, wonach die Polizei angeblich russische Verdächtige identifiziert hat, wurde bislang nicht bestätigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juli 2018 um 18:00 Uhr.

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