Oppositionsanhänger demonstrieren in Caracas. | Bildquelle: AFP

Venezuela-Krise Der Kampf um humanitäre Hilfe

Stand: 08.02.2019 14:29 Uhr

Die ersten ausländischen Hilfsgüter sind auf dem Weg nach Venezuela. Die Regierung von Maduro lehnt ausländische Hilfe allerdings nach wie vor ab. Der Streit in Caracas wird nun politisch genutzt.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt, zzt. Caracas

Auf einem zentralen Platz in Caracas heizt ein Fernsehteam Nicolas Maduro-Anhänger zur kameragerechten Begeisterung an, weil ihr Sprechchor noch etwas zu kraftlos klingt. Dahinter steht eine lange Schlange. Die Menschen wollen Unterschriften für ihren sozialistischen Präsidenten Maduro leisten, der unter Druck steht, seit ihn der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó offen herausfordert.

Offiziell geht es gegen die humanitäre Hilfe, die Guaidó für die notleidende Bevölkerung fordert und für die einige Länder - darunter Deutschland - Geld bereitstellen wollen.

Schlange, um zu unterschreiben | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann/SWR
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Unterstützung für den Präsidenten: Die Anhänger Maduros stehen für Unterschriften an.

"Wir sind ein friedliebendes Volk"

Die Hausfrau Graciela Liendo wartet in der tropischen Hitze schon seit drei Stunden: "Ich will unterschreiben, damit die USA verstehen, dass wir ein friedliebendes Volk sind. Ich will diese humanitäre Hilfe nicht, die sich Guaidó ausgedacht hat. Wie gut, dass unser Präsident Maduro allen sagt, sie sollten sich um ihre eigenen Probleme kümmern." Sie sagt, dass die USA sich für die Eigentümer der Welt halten würden. Maduro habe sich doch um Lebensmittel und Medikamente gekümmert, aber die kämen schließlich nicht an - und die Hausfrau weiß auch, warum: "Wegen des Wirtschaftskrieges, den das Imperium gegen uns führt und wegen der ganzen Einmischung."

Graciela Liendo | Bildquelle: Mellmann/SWR
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Hausfrau Graciela Liendo: "Ich will diese humanitäre Hilfe nicht, die sich Guaidó ausgedacht hat."

"Hier herrscht Chaos"

Patienten, Angehörige und Ärzte in einer staatlichen Krebsklinik sehen das ganz anders. An das Propaganda-Märchen vom Wirtschaftskrieg glauben sie nicht. Sie hoffen, dass die Hilfsgüter, die auf dem Weg nach Venezuela sind, ganz schnell die kolumbianische Grenze passieren dürfen. Der zehnjährige Daniel liegt seit zwei Monaten mit einem riesigen Tumor am Knie auf der Kinderstation.

Krebskranker Daniel mit seinem Vater | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann
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Der zehnjährige Daniel hat einen Tumor am Knie.

Seine Eltern beten dafür, dass ihr Sohn therapiert werden kann. Aber ein dafür wichtiges Medikament sei in ganz Venezuela nicht mehr zu bekommen, sagt der behandelnde Kinderarzt Manuel Camacho. Nicht einmal Bestrahlung gebe es in den Krebskliniken noch: "Hier herrscht Chaos, und es wird jeden Tag schlimmer. Vor allem fehlt uns viel, um gute Chemotherapien machen zu können. Humanitäre Hilfe wäre gerecht, sie ist nötig und sollte kommen." Die Regierung wolle diese Art von Hilfe nicht akzeptieren, weil sie darin die Gefahr einer militärischen Intervention sehe. "Unserer Meinung nach ist das aber ein Fenster, das sich öffnet, damit wir Leben retten können."

In dieser Klinik geht es um Leben und Tod. Die Hilfslieferungen, über die die verfeindeten politischen Lager ringen, sollen für die dringendsten Fälle sein. 300.000 Venezolaner schwebten wegen des Medikamentenmangels in Lebensgefahr, argumentiert Juan Guaidó. Wir sind keine Bettler, kontert sein Gegner Nicolás Maduro. Er verteufelt die Hilfslieferungen als "verdeckte US-Invasion".

Venezuela - Kampf um humanitäre Hilfe
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko Stadt
08.02.2019 13:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Februar 2019 um 12:26 Uhr.

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