Papst Franziskus betet im Rahmen einer Sonderaudienz mit Ministranten auf dem Petersplatz.  | Bildquelle: dpa

Vatikan verurteilt Missbrauchsfälle "Scham und Bedauern"

Stand: 17.08.2018 03:07 Uhr

In den USA sollen Hunderte katholische Priester mehr als 1000 Kinder missbraucht haben. Jetzt hat sich der Vatikan zu den Berichten geäußert - und nennt die Taten "kriminell und moralisch verwerflich".

Der Vatikan hat sich bestürzt über Kindesmissbrauchsfälle durch Priester in den USA geäußert. Zu dem Bericht aus Pennsylvania, nach dem sich mehr als 300 Priester in den vergangenen 70 Jahren an mehr als 1000 Kindern vergangen haben, gebe es lediglich zwei Worte: "Scham und Bedauern".

Die in dem Bericht der Staatsanwaltschaft angeführten Missbrauchsfälle seien "kriminell und moralisch verwerflich", erklärte Vatikan-Sprecher Greg Burke. Den Opfern seien ihr Stolz und ihr Glauben geraubt worden. Die Kirche müsse "harte Lektionen" aus ihrer Vergangenheit ziehen. Sowohl die Verantwortlichen als auch diejenigen, die diesen Missbrauch ermöglicht hätten, sollten zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Papst stehe an der Seite der Opfer, hieß es, sie seien "seine Priorität". Die Kirche wolle die Opfer anhören, um den "tragischen Horror, der das Leben der Unschuldigen zerstört", auszumerzen.

Papst Franziskus mit Vatikan-Sprecher Greg Burke | Bildquelle: AP
galerie

Papst Franziskus mit Vatikan-Sprecher Greg Burke: Der Vatikan hat den Missbrauch durch Priester in den USA verurteilt.

Vorwürfe der Vertuschung

Laut der Erklärung von Pennsylvanias Generalstaatsanwalt Josh Shapiro geht es um sexuellen Missbrauch bis hin zu Vergewaltigung und gezielte Vertuschung. Die Vorwürfe erstreckten sich auf sechs der acht Diözesen in Pennsylvania. Etwa 1000 Opfer seien bisher identifiziert worden.

Shapiro sprach vom bisher umfassendsten in den USA veröffentlichten Bericht zu Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche. Der Erzbischof von Washington und frühere Bischof von Pittsburgh in Pennsylvania, Donald Wuerl, hatte bereits zu Wochenbeginn in einem Brief an den Klerus davor gewarnt, dass der Bericht "grundlegend erschreckend" sein werde.

Bericht verzögert

Zu dem Bericht haben auch eine halbe Million Dokumente beigetragen, die bislang in den Geheimarchiven der Bistümer unter Verschluss gehalten worden waren. Die Ermittler in Pennsylvania hatten sich mit juristischem Druck Zugang verschafft. Mehrere der identifizierten Geistlichen hatten sich gegen die Veröffentlichung ihres Namens gewehrt, was die Publikation des Berichts verzögert hat.

Kritik auch in Deutschland

Auch in Deutschland steht die Kirche wegen schleppender Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kritik. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung warf der katholischen Kirche eine unzureichende Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs vor.

"Aufarbeitung wird wohl noch zu oft als Gefahr für die eigene Institution gesehen", sagte Johannes-Wilhelm Rörig den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Diese Haltung mache deutlich, wie sehr Institutionen- und Täterschutz noch immer vor Opferschutz stehe. "Es darf nicht mehr nur um den Schutz und das Ansehen der Kirche gehen." Für eine entsprechende Studie der Deutschen Bischofskonferenz hätten leider nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet, bedauerte Rörig.

Bericht wird im September vorgestellt

Um Missbrauchsfälle in Deutschland aufzuarbeiten, hatte die Deutsche Bischofskonferenz 2014 das Forschungsprojekt "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen dem Bericht zufolge am 25. September im Rahmen der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda vorgestellt werden.

Missbrauch in Pennsylvania - Vatikan spricht von Scham und Schmerz
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
17.08.2018 13:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. August 2018 um 04:56 Uhr.

Darstellung: