Joe Biden bei einer Pressekonferenz | REUTERS

US-Sanktionen Biden verhängt Importstopp für russisches Öl

Stand: 08.03.2022 18:45 Uhr

Angesichts der Invasion in der Ukraine verhängt die US-Regierung einen Importstopp für russisches Öl. Das teilte Präsident Biden mit. Auch Großbritannien kündigt ein Ende von Ölimporten aus Russland an.

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erlassen die USA ein Importverbot für Rohöl aus Russland. Das teilte US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus mit. Einem hochrangigen Regierungsvertreter zufolge tritt das Embargo umgehend in Kraft. Für bereits unterzeichnete Lieferverträge gelte eine Abwicklungsperiode von 45 Tagen.

Das sei ein gewaltiger Dämpfer für die Kriegsabsichten von Staatschef Wladimir Putin, sagte Biden. Gleichzeitig stimmte er seine Landsleute mit Blick auf die hohen Spritkosten auf schwere Zeiten ein. Die Verteidigung der Demokratie habe ihren Preis, sagte Biden.

Die Preise zogen direkt an: Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 131,41 US-Dollar. Das waren 8,21 Dollar mehr als am Montag. Noch vor einem Monat kostete ein Barrel Rohöl um die 90 Dollar. Experten gehen davon aus, dass es 160 oder gar 200 Dollar werden könnten.

USA weniger abhängig von russischen Importen

Unklar blieb zunächst, ab wann das Importverbot gilt. Biden sagte, die Maßnahme sei mit europäischen Verbündeten abgestimmt. Man wisse aber, "dass viele unserer europäischen Verbündeten und Partner möglicherweise nicht in der Lage sind, sich uns anzuschließen", fügte er hinzu. "Wir können also diesen Schritt unternehmen, wenn andere es nicht können. Aber wir arbeiten eng mit Europa und unseren Partnern zusammen, um eine langfristige Strategie zu entwickeln, die auch ihre Abhängigkeit von russischer Energie verringert", so Biden.

Zuletzt war der Druck auf die USA und die Europäer gestiegen, die Ölimporte aus Russland zu stoppen. Denn trotz anderer schwerwiegender Sanktionen wird durch sie nach wie vor Geld in die Kriegskassen von Putin gespült. Für die USA ist ein solcher Schritt leichter, denn sie importieren kein russisches Erdgas und sind nicht so sehr auf russisches Öl angewiesen wie europäische Länder. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass Russland ein US-Ölembargo leichter wegstecken kann, als wenn auch die Europäer mitzögen.

Rund acht Prozent der US-Importe aus Russland

Die USA importierten zuletzt rund 100.000 Barrels russisches Öl pro Tag, was etwa fünf Prozent der russischen Exporte entspricht. Im vergangenen Jahr kamen laut den Energieanalysten von Rystad Energy rund acht Prozent der amerikanischen Importe von Öl- und Erdölprodukten aus Russland. Nach vorläufigen Daten des US-Energieministeriums gab es bereits in der letzten Februar-Woche de facto keine Importe mehr von russischem Rohöl. Mehrere westliche Energieversorger haben bereits ihre Verbindungen nach Russland gekappt.

Mit Blick auf die möglichen innenpolitischen Folgen im Wahljahr war Biden allerdings bis zuletzt zögerlich, einen Importstopp zu verhängen, weil das Benzin in den USA dadurch noch teurer werden dürfte.

Auch Großbritannien reagiert

Unterdessen kündigte auch Großbritannien an, bis Ende dieses Jahres kein Öl mehr aus Russland importieren zu wollen. Das teilte der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng per Twitter mit. Mit dem Schritt soll der Druck auf Moskau weiter erhöht werden, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. "Diese Übergangsphase wird dem Markt, Unternehmen und Lieferketten mehr als genug Zeit geben, um russische Importe zu ersetzen", schrieb Kwarteng. Der Anteil des russischen Öls an der britischen Nachfrage mache derzeit acht Prozent aus, fügte der Wirtschaftsminister hinzu. Gasimporte aus Russland sind zunächst nicht betroffen.

Kwarteng kündigte jedoch an, auch hier Möglichkeiten für einen Ausstieg zu prüfen. Der Anteil von russischem Gas mache nur vier Prozent der britischen Versorgung aus, so Kwarteng weiter.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. März 2022 um 17:00 Uhr.