US-Bundesstaatsanwalt Michael Sherwin spricht auf einer Pressekonferenz. | AFP

Nach Randale im Kapitol Ermittler durchforsten soziale Medien

Stand: 07.01.2021 22:08 Uhr

Nach der Erstürmung des US-Parlaments laufen die Ermittlungen gegen die Randalierer auf Hochtouren: Laut Staatsanwaltschaft suchen Hunderte Experten in den sozialen Medien nach Verdächtigen. 68 Menschen wurden bereits festgenommen.

Der geschäftsführende US-Justizminister Jeffrey Rosen hat eine konsequente Strafverfolgung der Randalierer vom Kapitol versprochen. Sein Ressort werde sicherstellen, dass die Verantwortlichen für die "Attacke" auf die Regierung und die Rechtsstaatlichkeit im Land für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen würden. Die US-Bundesstaatsaanwaltschaft teilte mit, dass bereits in 55 Fällen Strafanträge gestellt worden seien. Hunderte Mitarbeiter des Justizministeriums durchforsteten derzeit die sozialen Medien nach weiteren Verdächtigen.

Aufgebrachte Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump waren am Mittwoch vor dem Sitz des US-Kongresses, dem Kapitol, aufmarschiert und hatten das nur spärlich gesicherte Parlamentsgebäude gestürmt. Die Bürgermeisterin der US-Hauptstadt Washington, Muriel Bowser, sprach davon, es handele sich um einen klaren Fall von "inländischem Terrorismus". Die Täter müssten festgenommen und vor Gericht gestellt werden.

68 Menschen festgenommen

Ermittler der Strafverfolgungsbehörden arbeiteten durch die Nacht, um Beweise zu sammeln und Täter zu identifizieren. Nach Angaben der Washingtoner Polizei wurden 68 Menschen im Laufe des gestrigen Abends festgenommen. Das FBI richtete zudem eine Webseite für Hinweise auf Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol ein. Die US-Bundespolizei bietet dort die Möglichkeit, Videos und Fotos von Straftaten hochzuladen.

Die Ermittler können darüber hinaus bereits auf eine Fülle von belastendem Material aus erster Hand zurückgreifen: Trump-Anhänger hatten in sozialen Medien selbst zahlreiche Fotos und Videos veröffentlicht. Da sie trotz des Corona-Risikos zumeist keine Masken trugen, sind darauf viele Gesichter klar zu erkennen. Die Angreifer wurden unter anderem dabei gefilmt, wie sie durch die Hallen des Kapitols laufen und in den Sitzungssaal sowie Büros von Abgeordneten eindringen.

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Der Tag, als das Kapitol in Washington gestürmt wurde

Polizisten wurden "aktiv attackiert"

Der Chef der Kapitol-Polizei, Steven Sund, sagte, die Belagerung des Kongressgebäudes sei einem "kriminellen, randalierenden Verhalten" gleichgekommen. Der Mob habe bei der Erstürmung des Gebäudes Metallstangen, chemische Reizstoffe und andere Waffen gegen die Einsatzkräfte verwendet. Die Protestler hätten Polizisten "aktiv attackiert" und seien entschlossen gewesen, unter großem Schaden in das Kapitol einzudringen.

Während der Ausschreitungen seien mehr als 50 Polizisten des Kapitols und Washingtons verletzt worden, mehrere für die Sicherheit des Kongresses arbeitende Einsatzkräfte seien mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gekommen, sagte Sund. Er verteidigte die Polizei gegen Kritik, sie habe die Randale nicht aufgehalten. Seine Behörde habe einen "robusten Plan" gehabt, um auf die erwarteten friedlichen Proteste zu reagieren. Aber das, was sich am Mittwoch zugetragen habe, sei kriminelles Verhalten gewesen.

6200 Nationalgardisten bestellt

Das US-Verteidigungsministerium bestellte unterdessen rund 6200 Nationalgardisten für die Unterstützung der örtlichen Polizei. Der geschäftsführende Verteidigungsminister Christopher Miller aktivierte Nationalgardisten aus Virgina, Pennsylvania, New York, New Jersey, Delaware und Maryland für bis zu 30 Tage. Aus Pentagon-Kreisen hieß es, damit sollten das US-Kapitol und die Umgebung bis nach der Amtseinführung des gewählten Präsidenten Joe Biden am 20. Januar geschützt werden. Die Nationalgardisten sollen in den kommenden Tagen in Washington eintreffen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Januar 2021 um 08:37 Uhr.