Die Ex-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, vor dem Kapitol in Washington.  | Bildquelle: AP

Ukraine-Affäre Ex-Botschafterin fühlte sich bedroht

Stand: 05.11.2019 04:19 Uhr

Neue Protokolle von Zeugen-Anhörungen aus den Impeachment-Ermittlungen gegen Trump belasten den Präsidenten. Die Ex-US-Botschafterin in der Ukraine spricht darin von einer Schmutzkampagne.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

"Die amerikanische Öffentlichkeit soll sich selbst ein Bild machen", so begründete der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Demokrat Adam Schiff, die Veröffentlichung der ersten Mitschriften von Zeugenaussagen. Damit folgen die Demokraten einer Aufforderung der Republikaner, die Aussagen nicht länger geheim zu halten.

Allerdings belasten die jetzt veröffentlichten Mitschriften Präsident Donald Trump noch stärker als dies schon jetzt der Fall war. So schilderte die plötzlich abberufene US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, dass sie Opfer einer Schmutzkampagne wurde - betrieben von Trumps persönlichem Anwalt Rudy Giuliani und zwielichtigen ukrainischen Geschäftsleuten.

Von ukrainischen Beamten sei sie vorgewarnt worden, dass Giuliani und das Weiße Haus ihr schaden wollten, weil sie angeblich Trump gegenüber illoyal sei. Dagegen versicherte Yovanovitch in ihrer Aussage im Geheimdienstausschuss, sie habe niemals Botschaftsmitarbeiter aufgefordert, die Anweisungen des Präsidenten zu ignorieren.

Weitere Indizien einer Schatten-Außenpolitik

Auch die zweite veröffentlichte Mitschrift verstärkt den Eindruck einer Schatten-Außenpolitik, mit der Trump und Giuliani die offizielle Ukraine-Politik der US-Regierung konterkarierten. Michael McKinley, ein mittlerweile zurückgetretener enger Mitarbeiter von Außenminister Mike Pompeo sagte aus, er habe Pompeo mehrfach aufgefordert, Botschafterin Yovanovitch gegen Giulianis Intrigen zu stützen. Pompeo habe dies jedoch nicht getan.

Weitere Veröffentlichungen von Mitschriften der bisherigen Zeugenaussagen zur sogenannten Ukraine-Affäre sollen im Laufe der Woche folgen: als nächstes die Aussage des Sondergesandten für die Ukraine, Kurt Volker. Mit besonderer Spannung werden die Mitschriften der bislang wichtigsten Zeugen erwartet: William Taylor, der nach Marie Yovanovitch US-Botschafter in der Ukraine wurde; sowie die Aussage von Alexander Vindman, dem einzigen Ohrenzeugen jenes Telefonats, in dem Trump den ukrainischen Präsidenten bat, gegen Joe Biden und seinen Sohn Hunter zu ermitteln.

Ukraine-Affäre: US-Demokraten veröffentlichen Mitschriften
Martin Ganslmeier, ARD Washington
05.11.2019 09:25 Uhr

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