Al Franken | Bildquelle: REUTERS

Vorwurf der sexuellen Belästigung US-Senator Franken kündigt Rücktritt an

Stand: 07.12.2017 19:17 Uhr

Nach Belästigungsvorwürfen mehrerer Frauen will der US-Senator Franken zurücktreten. Zuletzt hatte er nach erneuten Anschuldigungen den Rückhalt der eigenen Demokraten verloren. Ein Fehlverhalten weist der Trump-Kritiker trotzdem zurück.

Der durch den Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein ins Rollen gebrachte Aufschrei um sexuelle Belästigung und Missbrauch hat längst auch die Politik erreicht. Vor nicht einmal einem Monat geriet auch der demokratische US-Senator Al Franken in den Fokus der Kritik - nun zieht der 66-Jährige Konsequenzen. Im Senat in Washington kündigte er seinen Rücktritt für die kommende Woche an.

Es sei der schlimmste Tag seines politischen Lebens, sagte Franken vor dem Gremium. Zwar betonte er, Frauen verdienten es, "gehört und in ihren Erfahrungen ernst genommen zu werden". Doch die Anschuldigungen, die gegen ihn im Raum stehen, wies er zurück. Er könne sich nicht an die entsprechenden Vorfälle erinnern oder hätte sie anders in Erinnerung.

Franken räumt kein Fehlverhalten ein

Erste Vorwürfe hatte Mitte November die Sängerin und Schauspielerin Leeann Tweeden erhoben. Bei einem gemeinsamen Auftritt vor Soldaten in Afghanistan habe sich Franken ihr ohne ihr Einverständnis genähert, auf dem Rückflug habe ihr der Senator aus Minnesota an die Brüste gefasst, während sie geschlafen habe. Auch andere Frauen gingen mit der Anschuldigung, Franken habe sie sexuell belästigt an die Öffentlichkeit.

Ein Fehlverhalten hatte Franken nie eingeräumt. Erst kürzlich wies er den Vorwurf einer früheren Kongressmitarbeiterin in einem Interview mit der US-Zeitung "Politico" energisch zurück. Die Frau hatte Franken vorgeworfen, er habe sie 2006 gegen ihren Willen küssen wollen.

Eigene Reihen forderten Rücktritt

Daraufhin brach der Rückhalt für Franken in den Reihen der Demokraten zusammen. Die Mehrheit forderte ihn auf, von seinem Posten zurückzutreten. Franken kündigte an, in Zukunft als Aktivist politisch tätig sein zu wollen. Und der prominente Kritiker des US-Präsidenten Donald Trump erlaubte sich auch bei seiner Rücktrittsankündigung eine Spitze gegen die derzeitige Regierung der USA. Seine Amtsaufgabe entbehre nicht einer gewissen Ironie, sagte Franken, sitze doch im Weißen Haus jemand, der sogar auf Tonband mit seinen sexuellen Übergriffen geprahlt habe. IM Oktober war eine Aufnahme bekannt geworden, in der Trump sagte, als Berühmtheit könne man sich Frauen gegenüber alles erlauben und ihnen auch in den Schritt fassen.

Neben Franken sehen sich noch weitere US-Politiker sowie Prominente mit Vorwürfen wegen sexueller Belästigung oder sexuellem Missbrauch konfrontiert - etwa der republikanische Senatskandidat in Alabama, Roy Moore. Mehrere Frauen werfen ihm vor, sie sexuell belästigt zu haben, als sie noch minderjährig waren. Trotz der Vorwürfe hatte Trump zur Wahl von Moore aufgerufen. Am kommenden Dienstag wird in Alabama gewählt.

Begonnen hatte die Welle der Enthüllungen mit den Anschuldigungen gegen den US-Produzenten Weinstein. Sie reichen bis zum Vorwurf der Vergewaltigung. Sechs Frauen haben inzwischen Klage gegen ihn und seine früheren Firmen eingereicht.

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