Hand schreibt auf einem Laptop | dpa

Cyberangriff auf die USA US-Behörde warnt vor "ernster Gefahr"

Stand: 18.12.2020 08:54 Uhr

Die verheerenden Ausmaße der Cyberattacke auf die US-Regierung werden nur langsam klar. Die zuständige Behörde für Cybersicherheit hat nun einen Warnhinweis erlassen - die Reparatur der Schäden werde "hochkomplex" werden.

Der großangelegte Cyberangriff auf die US-Regierung dauert laut der US-Behörde für Cyber- und Infrastruktursicherheit (CISA) des US-Heimatschutzministeriums mindestens schon seit März an. Sie stufte ihn als "ernste Gefahr" ein. In einer Warnmitteilung hieß es, das Entfernen des Angreifers aus den betroffenen Systemen werde sich voraussichtlich "hochkomplex" gestalten. Der oder die Täter hätten "Geduld, operative Sicherheit und komplexe Handwerkskunst" bewiesen.

Die CISA sieht durch die Attacke Gefahren für die Bundesregierung in Washington, für Regierungen von Bundesstaaten und Kommunen, für die kritische Infrastruktur sowie für Organisationen des Privatsektors. Die Hacker waren nach ersten Erkenntnissen unter anderem in Computer des US-Finanzministeriums eingedrungen. Das US-Energieministerium teilte mit, es gehöre ebenfalls zu jenen Einrichtungen, die gehackt wurden.

Microsoft: Keine übliche Cyberattacke

Die "Washington Post" und die "New York Times" hatten berichtet, die Angreifer hätten Verbindungen zum russischen Geheimdienst. US-Außenminister Mike Pompeo warf Russland eine Beteiligung an der Attacke vor; die russische Regierung wies alle Vorwürfe zurück.

Das US-Unternehmen Microsoft hatte kürzlich offengelegt, man habe mehr als 40 Regierungsbehörden, Denkfabriken, Nichtregierungsorganisationen und IT-Firmen ausgemacht, die von den Hackern geknackt worden seien. Vier von fünf Betroffenen befänden sich in den USA. "Das hier ist nicht "Spionage wie üblich", auch nicht im digitalen Zeitalter", erklärte Microsoft in einem Blogeintrag.

Beim aktuellen CISA-Warnhinweis handelt sich um die bislang detaillierteste Stellungnahme der Agentur, nachdem erste Berichte über die Angriffe publik geworden waren. Der frühere CISA-Chef Chris Krebs schrieb bei Twitter, Cyberangriffe dieser Art setzten außergewöhnliche Fertigkeiten und viel Zeit voraus. Er glaube, ein Verständnis vom Ausmaß der Attacke entwickle sich erst langsam.

Biden: Hackerangriffe nicht unbeantwortet lassen

Der künftige US-Präsident Joe Biden kündigte an, solche Angriffe würden unter seiner Regierung nicht unbeantwortet bleiben. Verantwortliche würden in Abstimmung mit Verbündeten zur Rechenschaft gezogen werden. "Unsere Gegner sollten wissen, dass ich als Präsident Cyberangriffen auf unsere Nation nicht tatenlos zusehen werde", sagte Biden.

Was über den jüngsten Angriff bekannt sei, sei sehr besorgniserregend. "Meine Regierung wird Cybersicherheit auf allen Regierungsebenen höchste Priorität einräumen", sagte Biden.

"Potenziell verheerende Folgen für die USA"

Das US-Repräsentantenhaus teilte mit, mehrere Ausschüsse und Unterausschüsse hätten eine gemeinsame Untersuchung zu dem Angriff auf den Weg gebracht. Die Attacke "könnte potenziell verheerende Folgen für die nationale Sicherheit der USA haben", hieß es einem Schreiben der Vorsitzenden mehrerer Ausschüsse an den Geheimdienstkoordinator John Ratcliffe, an den amtierenden Heimatschutzminister Chad Wolf sowie an den FBI-Chef Christopher Wray.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Dezember 2020 um 08:16 Uhr.