US-Präsident Trump | Bildquelle: Oliver Contreras/POOL/EPA-EFE/Sh

Coronavirus in den USA "Befreit Michigan, befreit Minnesota!"

Stand: 18.04.2020 04:31 Uhr

Nachdem US-Präsident Trump seinen Plan einer Exit-Strategie vorgelegt hat, lockern erste Bundesstaaten ihre Corona-Auflagen. Die, die ihre eigene Linie verfolgen, trifft der Zorn des Präsidenten. US-Farmer bekommen ein Hilfspaket.

US-Präsident Donald Trump hat Proteste gegen Corona-Ausgangsbeschränkungen in mehreren US-Staaten angeheizt. "Befreit Minnesota", "Befreit Michigan!" und "Befreit Virginia" schrieb er am Freitag komplett in Großbuchstaben auf Twitter und drückte damit seine Unterstützung für die Demonstranten in diesen demokratisch regierten Staaten aus.

Tags zuvor hatte er bei der Vorstellung eines Drei-Stufen-Plans zurück zur Normalität noch betont, er wolle den Gouverneuren die Entscheidung überlassen, wann sie die Wirtschaft wieder anlaufen lassen. Doch zahlreiche konservative Trump-Anhänger, Impf-Gegner und rechte Splittergruppen protestieren bereits seit Tagen gegen die ihrer Ansicht nach viel zu rigiden Restriktionen und die Einmischung des Staates in die Privatwirtschaft.

Fehde mit New Yorker Gouverneur Cuomo

Bei seiner Twitter-Tirade griff Trump auch den New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo scharf an. Der solle mehr Zeit aufs Tun verwenden und weniger aufs Beschweren, schrieb der Präsident. Der dreistufige Fahrplan sieht vor, dass die Ausgangsbeschränkungen an Orten gelockert werden können, wo das Virus unter Kontrolle gebracht wird. Dafür müsse dort aber auch ausreichend getestet werden.

Die Forderung von Cuomo und anderen Gouverneuren, die Regierung müsse ihnen helfen, die Testkapazitäten zu verbessern, wies Trump zurück. "Die Staaten müssen ihre Tests erhöhen." Einige Staaten gaben am Freitag bereits erste Lockerungen bekannt. In Florida gab Gouverneur Ron DeSantis den Kommunen grünes Licht, Strände und Parks wieder zu öffnen, wo das ohne Bedenken möglich sei. In Texas erlaubte Gouverneur Greg Abbott Geschäften, ab kommender Woche ihre Waren zur Abholung zu verkaufen. Auch planbare Operationen sollen dort wieder durchgeführt werden und staatliche Naturschutzparks wieder öffnen.

Trump rechnet mit 60.000 bis 65.000 Corona-Toten

Die US-Regierung rechnet inzwischen nach Angaben Trumps mit 60.000 bis 65.000 Toten infolge der Coronavirus-Pandemie in den USA. Die Zahl liege weit unter früheren Vorhersagen von mindestens 100.000 Toten in den Vereinigten Staaten. Jeder einzelne Tote sei einer zuviel, betonte der Präsident. "Ich denke, dass wir hoffentlich erheblich unter den 100.000 bleiben werden." Er fügte hinzu: "Im Moment bewegen wir uns wahrscheinlich auf etwa 60.000, vielleicht 65.000 zu."

Auf Twitter schrieb Trump, er gehe davon aus, dass auch Chinas nach oben korrigierte Corona-Todesopferzahlen noch deutlich zu niedrig sind. Tatsächlich seien die Zahlen "wesentlich höher und wesentlich höher als die der USA". Die korrigierten Angaben entsprächen "nicht einmal annähernd" der Realität. Dabei sprach Trump fälschlicherweise von einer Verdoppelung der Zahlen, die die chinesischen Behörden vorgenommen hätten.

Die Behörden in der zentralchinesischen Stadt Wuhan hatten zuvor die Zahl der Corona-Toten in der Stadt um 50 Prozent nach oben korrigiert und dies mit der Überprüfung der vorliegenden Daten begründet. Demnach starben allein in Wuhan 3869 Menschen, 1290 mehr als bisher angegeben. In ganz China waren es 4632. In den USA starben bereits mehr als 34.500 Menschen.

19 Milliarden Dollar für Amerikas Farmer und Rancher

Trump kündigte zudem an, die Landwirte in der Corona-Krise mit einem Hilfsprogramm im Umfang von 19 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro) zu unterstützen. Die Landwirte hätten durch die Pandemie "Verluste noch nie dagewesenen Ausmaßes" erlitten. Landwirte gehören zur wichtigsten Wählergruppe Trumps, der im November wiedergewählt werden will.

Drei Milliarden Dollar des Hilfsprogramms sollten dazu eingesetzt werden, den Landwirten Milch und Feldfrüchte abzukaufen und an kommunale Wohltätigkeitsorganisationen abzugeben, die diese an Bedürftige verteilen, sagte Landwirtschaftsminister Sonny Perdue. Der Rest geht als Direktzahlung an die Farmer und Rancher. Der Absatz der US-Agarindustrie ist durch die Corona-Krise stark zurückgegagen, weil Schulen samit ihrer Kantinen sowie Restaurants geschlossen sind und mehr Bürger zuhause essen.

Landesweite Proteste gegen Ausgangsbeschränkungen: Trump gießt Öl ins Feuer
Torben Ostermann, ARD Washington
18.04.2020 16:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. April 2020 um 10:00 Uhr.

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