Mann geht über Straße in Atlanta, Georgia | Bildquelle: AFP

Lockdown in den USA Georgia wagt die Öffnung - zu früh?

Stand: 24.04.2020 07:44 Uhr

Ausgerechnet Georgia, ein US-Bundesstaat mit besonders vielen Corona-Toten, hebt als erstes den Lockdown auf: Ein Alleingang des Gouverneurs, der nicht einmal von Präsident Trump gebilligt wird.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Noch sind es nur wenige Zehntausende, die in den USA auf die Straße gehen und ein Ende der Corona-Einschränkungen fordern. Aber die Demonstranten kriegen Rückenwind: Von den rechten Medien, denen der Lockdown von Anfang an zu weit ging. Und von Präsident Donald Trump: Der hatte mit drei Tweets gefordert: "Befreit Michigan", "Befreit Virginia", "Befreit Minnesota" - alles drei demokratisch regierte Staaten.

Der Gouverneur von Georgia jedenfalls, Brian Kemp, ein Parteifreund von Trump, beschloss daraufhin, seinen Staat selber zu befreien: Ab heute ist der Lockdown weitgehend aufgehoben. "Bevor Sie jemandem das Geschäft kaputt machen, ihm und seinen Angestellten die Lebensgrundlage entziehen", sagt Kemp, "da lassen Sie ihn doch lieber selbst entscheiden, was er verantworten kann!"

Bowlingbahnen und Tätowierstudios öffnen

Von heute an also dürfen kleinere Betriebe wie Friseursalons, Bowlingbahnen und sogar Tätowierstudios wieder aufmachen: Für Sicherheitsvorkehrungen sind sie selber zuständig. Das begeistert Amerikas Rechte: "Kemp bahnt einen guten Weg, dem andere Gouverneure folgen sollten", schreibt die konservative "Washington Times".

Doch vor Ort in Georgia sind längst nicht alle angetan von der Lockerung. Karen Kinsell ist Landärztin in Clay County, einem Landkreis mit 3000 Einwohnern im Südwesten von Georgia. "Die Leute haben Angst", berichtet Kinsell. Sie kenne niemanden, der die Öffnung gut findet.

Protest - gegen den Lockdown und die Öffnung

Der Fall Georgia wird seit Tagen in den US-Medien heiß diskutiert. Die Einwohner des Staates werden bombardiert mit Fernseh-Appellen von Medizinern, wie dem von Marty Makary von der Johns-Hopkins-Universität: Es beunruhige ihn, dass Georgia sich über die Empfehlungen des Weißen Hauses hinwegsetzt, sagt Makary. Der Staat verzeichne immer noch steigende Infektionszahlen.

Gouverneur Kemp lässt solche Argumente an sich abprallen: "Die Einen protestieren, weil ich aufmache. Die Anderen protestieren, weil ich nicht weit genug gehe."

Präsident Trump kritisiert Kemps Entscheidung

Vorgestern dann kippte die Stimmungslage: Präsident Trump nämlich, der anfänglich Sympathien für den rebellischen Gouverneur gezeigt hatte, änderte seine Haltung: "Ich habe Gouverneur Kemp gesagt, dass ich seine Entscheidung für falsch halte", betonte er. Offenbar hatte ihm sein Krisenstab klargemacht, dass er das Ausscheren einzelner Staaten nicht gutheißen sollte.

Die Landärztin Karen Kinsell jedenfalls scherzt, dass sie zum ersten Mal mit Trump übereinstimme: Georgia zu diesem Zeitpunkt zu öffnen, das sei eine richtig schlechte Idee.

Vier US-Südstaaten beenden den Lockdown
Sebastian Hesse, ARD Washington
24.04.2020 06:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2020 um 05:17 Uhr.

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