Der chinesische Außenminister Wang Wenbin hält im Juli 2020 eine Pressekonferenz ab. | AFP

Krise zwischen USA und China Pekings Revanche

Stand: 24.07.2020 11:28 Uhr

Die USA schließen das chinesische Generalkonsulat, China macht im Gegenzug ein amerikanisches dicht. Es ist eine neue Stufe im Streit zwischen den Großmächten, in dem jeder die Schuld beim anderen sieht.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Auch, wenn die Ankündigung nicht überraschend kam: Die erzwungene Schließung des US-Konsulats im chinesischen Chengdu ist eine weitere bemerkenswerte Eskalation der diplomatischen Krise zwischen China und den USA.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Mit der Schließung reagiert die chinesische Führung darauf, dass die US-Regierung am Dienstag das chinesische Generalkonsulat im texanischen Houston schließen ließ. So wurde der Schritt von der Staats- und Parteiführung in Peking auch begründet.

China: Reaktion folgt auf Provokation

In den Hauptnachrichten des staatlichen Senders CCTV verlas eine Sprecherin die komplette offizielle Begründung der Staatsführung. Demnach sei der Rauswurf der chinesischen Diplomaten aus Houston eine amerikanische Provokation gewesen, auf die man habe reagieren müssen.

Drei Tage Zeit haben die US-Diplomaten nun, um das relativ große Konsulatsgelände in der südwestchinesischen Millionenmetropole Chengdu zu räumen. Das ist genauso viel, wie die chinesische Regierung für die Schließung ihrer Vertretung in Houston bekommen hatte.

Nur einer von vielen Streitpunkten

Die chinesische Staats- und Parteiführung hat noch einmal klar gemacht, dass für sie allein die US-Regierung Schuld ist an der derzeit angespannten Situation. Der aktuelle Zustand sei nicht das, was China wolle, erklärte das Außenministerium in Peking. Die USA seien vollständig verantwortlich für die Lage.

Die Beziehungen zwischen den beiden mächtigsten Nationen der Welt haben sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. Beide Seiten streiten unter anderem über den Ursprung des Coronavirus, über die Wirtschafts- und Handelspolitik, über die Lage in Hongkong, die Unterdrückung der uigurischen Minderheit in Xinjiang und Chinas Machtpolitik im Asien-Pazifikraum.

"China gefährdet Wohlstand der Menschen"

Innerhalb der US-Regierung teilen vor allem Vizepräsident Mike Pence und Außenminister Mike Pompeo verbal immer wieder massiv gegen China aus - genauer gesagt gegen die kommunistische Führung. So auch gestern: Die "westlichen Freiheiten zu schützen" vor der Kommunistischen Partei Chinas, das sei "die Kernaufgabe dieser Tage", sagte Pompeo bei einer Grundsatzrede zur China-Politik in Kalifornien. Die USA seien bereit, bei dieser Aufgabe voranzugehen. Nun seien "kreative und energische Ideen nötig, um China wirklich zu verändern", betonte Pompeo. Die Führung in Peking bedrohe den Wohlstand der Menschen.

Die Sprecherin der Staats- und Parteiführung Hua Chunying verurteilte die Grundsatzrede Pompeos heute scharf. Der US-Außenminister wolle ganz offensichtlich einen Kreuzzug gegen China starten, erklärte sie. Das sei aber vergeblich - und vergleichbar mit einer Ameise, die versuche einen Baum zum Wanken zu bringen, erklärte Hua.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24. Juli 2020 um 10:31 Uhr.