Die Brüder von George Floyd mit ihrem Anwalt Benjamin Crump nach der Verkündung des Urteils in Minneapolis. | AFP

Mehr als 22 Jahre Haft für Chauvin "Das sollte die Norm sein"

Stand: 26.06.2021 08:19 Uhr

Nun steht das Strafmaß fest: Der Ex-Polizist Chauvin muss wegen der Tötung von George Floyd für mehr als 22 Jahre in Gefängnis. Der Anwalt der Familie des Opfers sprach von einem möglichen Wendepunkt.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Es sei die längste Haftstrafe zu der ein Polizist in der Geschichte des US-Bundesstaates Minnesota verurteilt worden ist, sagte Benjamin Crump vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis. Crump ist Anwalt der Familie von George Floyd.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

Kurz nach der Verkündung des Strafmaßes gegen Ex-Polizist Derek Chauvin sprach Crump, von einem möglichen Wendepunkt. "Aber die Strafe sollte nicht die Ausnahme sein, wenn ein schwarzer Amerikaner durch Polizeigewalt getötete wird. Das sollte die Norm sein", sagte der Anwalt.

Staatsanwaltschaft verlangte 30 Jahre Haft

Das Gericht hatte den ehemaligen Polizisten Chauvin Ende April für den gewaltsamen Tod von George Floyd verurteilt - unter anderem wegen Mord zweiten Grades, das entspricht in etwa Totschlag in besonders schwerem Fall.

Das Strafmaß wurde allerdings erst gestern festgesetzt. Die entscheidende Sitzung im Bezirksgericht in Minneapolis begann noch einmal mit Plädoyers: Die Staatsanwaltschaft verlangte 30 Jahre Haft. Chauvins Verteidiger setzte sich für eine Bewährungsstrafe ein.

Es waren aber auch Angehörige im Saal die das Wort an Richter Peter Cahill richtetet. So bat Chauvins Mutter, Caroline Pawlenty, um ein mildes Urteil. "Ich glaube eine lange Freiheitsstrafe wird Derek nicht gerecht. Wenn Sie meinen Sohn verurteilen, verurteilen Sie auch mich", sagte sie. "Wenn er dann entlassen wird, werden sein Vater und ich wahrscheinlich nicht mehr leben."

"Besondere Grausamkeit"

Die Familie von George Floyd spielte ein Video von dessen Tochter Gianna ein. Floyds Bruder Philonise ergriff das Wort. "Meine Nichte Gianna muss damit abschließen können. Ich bitte Sie, bitte halten Sie es für angemessen, Polizist Chauvin nach dem maximalen Strafmaß zu verurteilen". Das Urteil für seine Familie und ihn laute lebenslänglich. "Wir können George niemals zurückbekommen."

Richter Peter Cahill erklärte, das Strafmaß werde nicht auf Basis von Emotionen oder Sympathien festgesetzt. Aber er wisse, um den tiefen, enormen Schmerz, den alle Familien fühlen, vor allem aber die Floyd Familie.

Dann richtet er sich an den Verurteilten Chauvin: "Das Gericht verurteilt sie wegen Mord zweiten Grades zu einer Haft von 270 Monaten. Zur Freiheitsstrafe von 150 Monaten kommen 10 Jahre hinzu, weil sie ihre Position missbraucht haben und besondere Grausamkeit gegenüber George Floyd gezeigt haben."

Biden hält Urteil für angemessen

In einer ersten Reaktion sprach US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus von einem angemessenen Urteil. "Ich kenne nicht alle Umstände, die in Betracht gezogen worden sind. Aber es scheint mir nach den Richtlinien angemessen", sagte er.

Verhalten waren die Reaktionen in Minneapolis. Der Anwalt der Familie Floyd, Crump sagte, man habe gesehen, dass jemand in gewissen Maße zur Verantwortung gezogen worden ist. "Was ist wahre Gerechtigkeit? Wahre Gerechtigkeit wäre es, wenn George Floyd noch immer hier wäre mit seiner Familie."

Über dieses Thema berichteten am 26. Juni 2021 die tagesschau um 01:20 Uhr und Deutschlandfunk um 06:16 Uhr.

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