Ein zerstörtes Wohngebiet in Talent, Oregon | AFP

US-Westküste Mindestens 33 Tote bei Waldbränden

Stand: 14.09.2020 03:59 Uhr

Die jährliche Brandsaison ist noch lange nicht vorbei, doch schon jetzt haben die Waldbrände an der Westküste der USA verheerende Ausmaße erreicht. Mindestens 33 Menschen starben - viele weitere werden noch vermisst.

Die Zahl der Todesopfer der Wald- und Buschbrände im Westen der USA ist weiter gestiegen. Bislang meldeten die Behörden 33 Tote: 22 Menschen starben in Kalifornien, zehn in Oregon und einer in Washington.

In den drei Staaten entlang der Küste werden zudem noch viele Menschen vermisst, lokale Behörden befürchteten daher weitere Todesopfer. Der Katastrophenschutz-Beamte Andrew Phelps erklärte, dass sich Oregon auf eine massive Zahl an Todesopfern vorbereite, "basierend auf dem, was wir wissen, und der Anzahl der zerstörten Strukturen".

Seit Wochen wird vor allem Kalifornien von heftigen Bränden heimgesucht. Mit ungewöhnlicher Härte erwischten die Feuer in der vergangenen Woche aber auch Oregon und Teile Washingtons. Waldbrände lodern auch in Utah, Wyoming, Arizona, Colorado oder Idaho, wie die Bundesbehörde National Interagency Fire Center mitteilte.

Ein Mann steht an einer Brücke in Portland. Dichter Rauch hat sich über die Stadt gelegt. | AFP

Laut der Datenbank IQAir war Portland am Wochenende weltweit die Stadt mit der größten Luftverschmutzung. Bild: AFP

Schädlicher Smog in vielen Städten

Viele Menschen in den betroffenen Gegenden stehen vor dem Nichts, von manchen Siedlungen sind nur noch verkohlte Trümmer übrig. Millionen weitere Amerikanerinnen und Amerikaner leiden unter dem Rauch, der sich an der Pazifikküste ausbreitet.

Mehrere Ortschaften in den Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington sind weiterhin durch gigantische Feuerwände von der Außenwelt abgeschnitten. Zehntausende Menschen mussten bereits ihre Wohnungen verlassen, Hunderttausende sind angewiesen, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten.

In vielen Städten erreichte die Luftqualität ein gesundheitsschädliches Niveau. In der Stadt Portland war die Luftqualität die schlechteste seit Beginn der Aufzeichnungen der zuständigen Umweltbehörde von Oregon im Jahr 1985. In Salem betrug der Wert des örtlichen Luftqualitätsindex 512, auf einer Skala, die normalerweise nur von 0 bis 500 geht. Die Umweltbehörden in Oregon hatten die Luftqualität an Dutzenden Messstationen im Bundesstaat als "gesundheitsgefährdend" oder "sehr ungesund" bezeichnet, die beiden schlimmsten von sechs Warnstufen. Für die Metropolen Portland, Vancouver in Kanada und Seattle im Bundesstaat Washington meldete die Webseite IQAir am Sonntag die gravierendste Luftverschmutzung von 96 erfassten Städten weltweit.

Hoffnung auf Entspannung

Zehntausende Feuerwehrleute sind derzeit gegen die Waldbrände im Einsatz, an einigen Orten stabilisierte sich die Lage etwas. In Oregon wurden Berichten zufolge die Evakuierungs-Warnstufen in einigen Gebieten gelockert. Dort und in Kalifornien hofften die Behörden auf eine Entspannung durch günstige Winde, möglichen Regen und niedrigere Temperaturen.

Die diesjährige Feuersaison dauere allerdings noch mindestens sieben Wochen an, schrieb "USA Today". Die Feuerwehr rief deshalb die Menschen an der Westküste auf, wachsam zu bleiben: "Lasst euch nicht von den kühleren Temperaturen täuschen", zitierte die Zeitung David Berlant von der kalifornischen Behörde Cal Fire. "Historisch gesehen gibt es im September und Oktober die größten und zerstörerischsten Waldbrände."

Schon jetzt zählen sechs der derzeitigen Brände zu den 20 größten in der Geschichte Kaliforniens seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930. Die Feuer haben inzwischen etwa eine Fläche von der Größe Sardiniens zerstört.

Trump besucht Kalifornien am Montag

US-Präsident Donald Trump will sich am Montag zum ersten Mal persönlich in Kalifornien über die Waldbrände unterrichten lassen. Trump werde McClellan Park besuchen, eine Siedlung nördlich von Sacramento im Zentrum des Bundesstaates, bestätigte Sprecher Judd Deere. Er werde dort an einer Besprechung mit Einsatzkräften der Region und des Bundes teilnehmen.

Die demokratischen Gouverneure aller drei Bundesstaaten machten den Klimawandel für die ungewöhnlich starken Brände verantwortlich. "Das ist ein Weckruf, dass wir alles tun müssen, was wir können, um den Klimawandel zu bekämpfen", sagte Oregons Gouverneurin Kate Brown im TV-Sender CBS.

Busch- und Waldbrände haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wofür Experten die Erderwärmung mitverantwortlich machen. "Die Wissenschaft ist klar, und tödliche Anzeichen wie diese sind unübersehbar - der Klimawandel stellt eine unmittelbare, existenzielle Bedrohung für unsere Lebensweise dar", sagte der demokratische Herausforderer von Trump bei der Präsidentenwahl, Joe Biden. Trump könne versuchen, "diese Realität zu leugnen, aber die Fakten sind unbestreitbar".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. September 2020 um 20:00 Uhr.