Basketballtrainer Steve Kerr bei einer Pressekonferenz. | AP

NBA-Trainer zu Amoklauf in Texas "Ich bin die Schweigeminuten so leid"

Stand: 25.05.2022 16:39 Uhr

Eigentlich wollte der prominente NBA-Basketballtrainer Steve Kerr über Basketball reden. Doch darüber verlor er kein Wort. Stattdessen ließ er seiner Wut über den Amoklauf in Uvalde freien Lauf. Die Rede ging umgehend viral.

In den sozialen Netzwerken macht ein emotionales Video die Runde: Es zeigt Steve Kerr, den Trainer der US-Basketballmannschaft Golden State Warriors bei etwas, das eigentlich eine Pressekonferenz vor einem Spiel seiner Mannschaft werden sollte. Stattdessen aber sprach der sichtlich angefasste Trainer über den Amoklauf an einer Grundschule in Uvalde, bei dem 19 Kinder und zwei Erwachsene getötet wurden - und richtete deutliche Worte an die Senatoren, die ein strengeres US-Waffengesetz verhindern.

Die Rede von Steve Kerr im Wortlaut

Ich werde nicht über Basketball sprechen. In den letzten sechs Stunden ist bei unserer Mannschaft nichts passiert. So werden wir auch heute Abend wie gehabt beginnen. Alle Basketballfragen spielen keine Rolle. Seit wir weggefahren sind, wurden 400 Meilen von hier vierzehn Kinder und ein Lehrer getötet. (Anmerkung der Redaktion: Die Opferzahl ist mittlerweile auf 19 Kinder und zwei Erwachsene gestiegen)

Und in den letzten zehn Tagen wurden ältere schwarze Menschen in einem Supermarkt in Buffalo ermordet. In Südkalifornien wurden asiatische Kirchenbesucher ermordet. Und jetzt werden Kinder in der Schule ermordet. Wann werden wir endlich etwas unternehmen?

Ich bin müde. Ich habe es so satt, hier oben zu stehen und den erschütterten Familien da draußen mein Beileid auszusprechen. Ich habe es so satt, es tut mir leid, ich habe die Schweigeminuten satt. Genug!

Zurzeit weigern sich fünfzig Senatoren, über die H.R.8 abzustimmen. Das ist eine Regelung zur Überprüfung vor einem Waffenkauf, die das Repräsentantenhaus vor ein paar Jahren verabschiedet hat. Dort liegt sie seit zwei Jahren. Und es gibt einen Grund, warum sie darüber nicht abstimmen: Um an der Macht zu bleiben. Also frage ich Sie, Mitch McConnell - frage ich Sie alle Senatoren, die sich weigern, etwas gegen die Gewalt in Schulen und Supermärkten zu unternehmen. Ich frage Sie: Werden Sie Ihr eigenes Machtstreben über das Leben unserer Kinder, unserer Alten und unserer Kirchengänger stellen? Denn genau so sieht es aus. Das ist es, was wir jede Woche tun.

Ich habe es satt, ich habe genug. Wir werden das Spiel heute Abend spielen, aber ich möchte, dass jeder hier, jeder, der das hört, an sein eigenes Kind oder Enkelkind oder seine Mutter, seinen Vater, seine Schwester, seinen Bruder denkt. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen das heute passiert wäre? Wir dürfen nicht abstumpfen.

Wir können nicht hier sitzen und nur darüber lesen und dann sagen "Naja, lasst uns eine Schweigeminute einlegen. Und dann los Dubs! Voran Mavs, los geht's!". Das werden wir tun, wir werden Basketball spielen.

50 Senatorinnen und Senatoren in Washington halten uns als Geiseln. Und Ihnen ist klar, dass neunzig Prozent der Amerikaner - unabhängig von der politischen Partei - allgemeine Hintergrundchecks wollen? Neunzig Prozent von uns werden von fünfzig Senatoren in Washington als Geiseln gehalten, die sich weigern, darüber abzustimmen. Obwohl wir, das amerikanische Volk, das wollen - wollen sie nicht darüber abstimmen, weil sie an ihrer eigenen Macht festhalten wollen. Das ist erbärmlich! Ich habe genug davon!

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Mai 2022 um 17:00 Uhr.