Soldaten der US-Streitkräfte | picture alliance / Friso Gentsch

Medienbericht Offenbar US-Truppenabzug aus Deutschland

Stand: 06.06.2020 10:23 Uhr

Die USA wollen offenbar ihre Drohungen wahr machen und einen Teil der in Deutschland stationierten US-Truppen abziehen. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor. Das Weiße Haus will davon aber nichts wissen.

US-Präsident Donald Trump will offenbar einen Teil der in Deutschland stationierten US-Truppen abziehen. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor, die sich auf Vertreter der Regierung in Washington berufen.

Das "Wall Street Journal" berichtete, dass der Abzug von 9500 US-Soldaten geplant sei. Derzeit sind insgesamt 34.500 in der Bundesrepublik stationiert. Ein Teil von ihnen werde nach Polen und in andere Staaten von Verbündeten verlegt, ein anderer Teil kehre in die USA zurück. Außerdem solle eine Obergrenze von 25.000 US-Soldaten eingeführt werden, die gleichzeitig in Deutschland anwesend sein könnten.

Die Entscheidung stehe auch im Zusammenhang mit Trumps Ärger über die aus seiner Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben, berichtet die Zeitung. Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, Deutschland investiere nicht genug Geld in die NATO.

"Spiegel": Teile des Kongresses bereits informiert

Das Weiße Haus wollte die Berichte nicht bestätigen. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, John Ullyot, teilte mit, derzeit gebe es dazu keine Ankündigung. Trump überprüfe aber ständig den Einsatz von US-Soldaten im Ausland. "Die Vereinigten Staaten sind weiterhin entschlossen, mit unserem engen Verbündeten Deutschland zusammenzuarbeiten."

Auch das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete unter Bezug auf eigene Informationen über eine geplante massive Reduzierung der US-Truppenpräsenz in Deutschland. Demnach habe das Weiße Haus bereits Teile des US-Kongresses darüber informiert, dass das Pentagon bis zum Herbst 2020 zwischen 5000 und 15.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen werde. Dem Vernehmen nach habe die US-Regierung den NATO-Partner Deutschland nicht wie üblich vorab über die Entscheidung informiert, heißt es in dem Bericht. Das Pentagon äußerte sich auf Anfrage nicht zu einem möglichen Truppenabzug.

Keine Reaktion des Auswärtigen Amtes

Die US-Truppen sind in Deutschland in mehreren Bundesländern stationiert - die meisten in Rheinland-Pfalz und in Bayern. Neben den US-Soldaten werden Tausende amerikanische und deutsche Zivilisten von den US-Truppen beschäftigt. Zehntausende weitere Arbeitsplätze in Deutschland hängen von den amerikanischen Streitkräften ab.

Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich zunächst nicht zu den Angaben äußern. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Fritz Felgentreu, twitterte: "Das können die USA entscheiden, wie es für sie sinnvoll ist. Um Druck aufzubauen, eignet sich das Thema nicht." Die spannende Frage sei, wohin die Soldaten kämen. "Nach Hause oder weiter nach Osten?"

Nach Angaben aus der US-Regierung geht die Entscheidung auf eine monatelange Arbeit von Generalstabschef Mark Milley zurück. Ein anderer Mitarbeiter aus der Regierung sagte, das Vorhaben sei jüngst von Trumps Nationalem Sicherheitsberater Robert O'Brien abgesegnet worden. Die USA hätten im September mit der Ausarbeitung eines Plans begonnen und ihre Strategie nun fertiggestellt.

Vor rund einem Jahr hatte Trump erklärt, er wolle 1000 oder 2000 Soldaten nach Polen verlegen, die möglicherweise aus Deutschland abgezogen würden. Diese sollten in Polen als Schutz vor Russland dienen.

Unionsfraktionsvize Johann Wadephul sieht in dem angeblich geplanten Abzug einen weiteren Weckruf an die Europäer, ihr Schicksal entschiedener in die Hand zu nehmen. "Die Pläne zeigen erneut, dass die Trump-Administration eine elementare Führungsaufgabe vernachlässigt: die Einbindung der Bündnispartner in Entscheidungsprozesse", erklärte der CDU-Politiker. Er fügte warnend hinzu: "Alle profitieren vom Zusammenhalt des Bündnisses, nur Russland und China von Zwist. Das sollte in Washington mehr beachtet werden."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. Juni 2020 um 21:45 Uhr.