Hassan Rouhani | Bildquelle: dpa

Iran zu Sanktionen "Die USA machen kindische Dinge"

Stand: 01.08.2019 16:01 Uhr

Der Iran hat die neuen US-Sanktionen gegen Außenminister Zarif scharf kritisiert. Statt wie angekündigt, verhandeln zu wollen, fange Washington an, "kindische Dinge" zu unternehmen, sagte Präsident Rouhani.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani zweifelt an der Verhandlungsbereitschaft Washingtons, nachdem die USA Sanktionen gegen Außenminister Mohammed Dschawad Zarif verhängt haben. "Sie haben Angst vor den Interviews unseres Außenministers", sagte Rouhani. Die Worte und Logik des "sachkundigen, aufopferungsvollen und diplomatischen" Ministers hätten die "Fundamente des Weißen Hauses erschüttert", so der iranische Präsident. Zarif hatte vor kurzem ausländischen Medien in New York mehrere Interviews gegeben.

"Nicht mehr klug handeln und denken"

Die USA machten "kindische Dinge", sagte Rouhani und weiter: "Unsere Feinde sind so hilflos, dass sie nicht mehr klug handeln und denken können." Die Amerikaner hätten jeden Tag beteuert, sie wollten ohne Vorbedingungen reden. Und dann verhängten sie Sanktionen gegen den Außenminister, sagte Rouhani.

Außenamtssprecher Abbas Mussawi erklärte, die Amerikaner hätten "Angst vor Zarifs diplomatischen Fähigkeiten". Die neuen Sanktionen sei der "Gipfel der Dummheit".

EU hält an Verhandlungspartner Zarif fest

Aus Brüssel verlautete Bedauern über die Entscheidung der USA. Von europäischer Seite aus werde weiter mit Zarif zusammengearbeitet, teilte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini mit. Es gelte, die diplomatischen Kanäle offenzuhalten.

Die USA hatten am Mittwoch Sanktionen gegen den als moderat geltenden Außenminister verhängt. Dies dürfte die Spannungen zwischen den beiden Ländern weiter verschärfen. Nach Angaben der US-Regierung werden Bankkonten und Vermögenswerte Zarifs in den USA eingefroren. Außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mehr mit ihm machen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärte, Zarif sei das Sprachrohr der iranischen Regierung und setze die "rücksichtslose Agenda" des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei um. Gegen Chamenei hatte Washington bereits im Juni Finanzsanktionen verhängt.

Zarif reagiert ironisch

Zarif selbst bezeichnete die gegen ihn verhängten Sanktionen als "wirkungslos". Die Strafmaßnahmen hätten keinerlei Auswirkungen auf ihn oder seine Familie, weil er keinen Besitz außerhalb des Iran habe. "Vielen Dank, dass ich als so große Bedrohung für Ihre Agenda angesehen werde", fügte er im Onlinedienst Twitter hinzu.

Mohammad Javad Zarif | Bildquelle: AFP
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Irans Außenminister Zarif bezeichnete die gegen ihn verhängten Sanktionen als wirkungslos.

Die USA waren im Mai 2018 einseitig aus dem Atomdeal mit dem Iran ausgestiegen. Mit harten Sanktionen gegen den iranischen Öl- und Bankensektor wollen sie die Führung in Teheran seitdem dazu zwingen, einem neuen Atomabkommen mit härteren Auflagen zuzustimmen. Der Ölsektor ist die Haupteinnahmequelle des Landes. Das Atomabkommen soll die Islamische Republik davon abhalten, Nuklearwaffen zu entwickeln.

Zarif gilt als Architekt des Atomdeals

Zarif gilt als einer der Architekten des Atomdeals. Trumps Regierung hingegen hat kein gutes Wort für den Diplomaten übrig. So bezeichnete Außenminister Mike Pompeo Zarif und den iranischen Präsidenten Hassan Rouhani im Februar auf Twitter als "Frontmänner einer korrupten religiösen Mafia".

USA belegen Irans Außenminister mit Sanktionen
Martina Buttler, ARD Washington
01.08.2019 07:11 Uhr

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