Ein zerstörtes Haus ist nach nach einer Operation des US-Militärs in dem syrischen Dorf Atmeh in der Provinz Idlib zu sehen. | AP

Im Nordwesten von Syrien IS-Anführer stirbt bei US-Angriff

Stand: 03.02.2022 17:18 Uhr

Bei einem US-Angriff in Syrien hat sich der IS-Anführer nach Angaben von US-Präsident Biden selbst in die Luft gesprengt. Dieser hatte den Einsatz in der vergangenen Nacht angeordnet. Es gab auch zivile Opfer.

Während eines Einsatz von US-Truppen in Syrien hat sich laut US-Angaben der Anführer der Terrorgruppe IS, Abu Ibrahim al-Haschimi al-Kuraschi, selbst getötet. "Gestern Nacht haben US-Einheiten auf meinen Befehl hin im Nordwesten Syriens erfolgreich einen Anti-Terror-Einsatz ausgeführt, um die amerikanische Bevölkerung und unsere Verbündeten zu schützen und die Welt zu einem sichereren Ort zu machen", erklärte US-Präsident Joe Biden.

Der US-Präsident sagte, der Terrorist habe sich angesichts des Vorrückens der Spezialkräfte mit seiner Familie in die Luft gesprengt. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei der Operation insgesamt 13 Menschen getötet, unter ihnen auch vier Kinder.

Offenbar mehrere tote Zivilisten

Biden erklärte weiter, alle an der Operation beteiligten Amerikaner seien unverletzt geblieben. Er betonte, er habe bei der Militäroperation die Zahl ziviler Oper möglichst gering halten wollen. Er habe das Verteidigungsministerium angewiesen, alle denkbaren Vorkehrungen zu treffen, um die Zahl der zivilen Opfer zu minimieren. "Da wir wussten, dass sich dieser Terrorist bewusst mit Familien, darunter auch Kindern, umgeben hatte, haben wir uns für den Einsatz von Spezialkräften entschieden, was ein viel größeres Risiko für unsere eigenen Leute bedeutete, als ihn mit einem Luftschlag zu treffen."

Der Schlag gegen den IS-Anführer sende ein Signal an andere Terroristen auf der Welt, wo auch immer sie sich versteckten, sagte Biden weiter: "Wir sind hinter euch her und werden euch finden." Die USA und ihre Partner gingen weiter gegen den IS vor. "Ich bin entschlossen, das amerikanische Volk vor terroristischen Bedrohungen zu schützen", sagte er. "Wir bleiben wachsam, wir bleiben vorbereitet."

Augenzeugen berichteten über Angriff

Anwohner und Aktivisten berichteten von einem großen Bodenangriff und von US-Streitkräften, die mit Hilfe von Lautsprechern Frauen und Kinder aufforderten, das Gebiet zu verlassen. Sie beschrieben den Einsatz als die größte Militäroperation seit der Tötung des IS-Chefs Abu Bakr al-Bagdadi im Oktober 2019.

Die Beobachtungsstelle erklärte, Truppen der US-geführten Koalition seien mit Hubschraubern in dem Gebiet gelandet und hätten ein Haus attackiert. Es sei zu Zusammenstößen mit Kämpfern am Boden gekommen.

IS versuchte wieder stärker Fuß zu fassen

Weite Teile der nordwestlichen Provinz Idlib werden von Kämpfern kontrolliert, die von der Türkei unterstützt werden. Die Gegend ist jedoch auch eine Hochburg der Terrorgruppe Al-Kaida. Andere militante Extremisten haben in der Region ebenfalls Unterschlupf gefunden.

Die Operation erfolgte vor dem Hintergrund von Bemühungen der Terrorgruppe "Islamischer Staat", wieder stärker in der Gegend in Erscheinung zu treten. Sie hatte in der Region zuletzt mehrere Attacken ausgeführt. Bei dem größten IS-Angriff seit dem Zerfall des von der Terrorgruppe ausgerufenen Kalifats im Jahr 2019 wurde ein Gefängnis im Nordosten Syriens angegriffen, um dort einsitzende IS-Angehörige zu befreien.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Februar 2022 um 15:00 Uhr.