Kirill Serebrennikow | Bildquelle: dpa

Bewährungsstrafe Russischer Regisseur Serebrennikow bleibt frei

Stand: 26.06.2020 17:25 Uhr

Der regierungskritische Regisseur Serebrennikow ist in Moskau schuldig gesprochen worden, bleibt aber auf freiem Fuß. Das Verfahren gegen ihn wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder war international kritisiert worden.

In einem umstrittenen Prozess wegen angeblicher Unterschlagung öffentlicher Gelder ist der russische Regisseur Kirill Serebrennikow zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. "Serebrennikows Rehabilitierung ist ohne eine richtige Gefängnisstrafe möglich", sagte die zuständige Richterin Olessja Mendelejewa in Moskau. Dem Theater- und Filmregisseur werde aber die Leitung kultureller Einrichtungen untersagt, zudem werde ihm eine Geldstrafe auferlegt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor sechs Jahre Haft beantragt.

Es sei nicht nötig, ihn von der Gesellschaft zu isolieren, sagte die Richterin der Agentur Interfax zufolge. Zudem sollten er und sein Team die laut Anklage veruntreute Summe von 129 Millionen Rubel (1,6 Millionen Euro) in die Staatskasse zurückzahlen. Mit Serebrennikow standen auch seine Kollegen Sofja Apfelbaum und Alexej Malobrodski sowie Juri Itin vor Gericht. Die Ermittlungen gegen sie liefen seit Sommer 2017.

Zahlreiche Solidaritätsbekundungen

Das Verfahren gegen den auch in Deutschland bekannten Künstler gilt als Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland. Zahlreiche russische Künstler veröffentlichten im Vorfeld der Urteilsverkündung Videos, in denen sie ein ungerechtes Justizsystem beklagten. Insgesamt etwa 400 Unterstützer, darunter Schauspieler, Sänger und Kulturschaffende, erschienen vor dem Gerichtsgebäude in Moskau. Auch der prominente Rapper Oxxxymiron (Oksimiron) hatte seine zwei Millionen Follower bei Instagram aufgerufen, zum Gerichtsgebäude zu kommen.

Russisches Gericht verurteilt Serebrennikow zu Bewährungsstrafe
tagesschau 20:00 Uhr, 26.06.2020, Jo Angerer, ARD Moskau

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Bei Verkündung des Strafmaßes brach Jubel unter den Demonstranten aus. Einige weinten vor Erleichterung, dass der Star nicht ins Gefängnis muss. Er sei nicht zufrieden mit dem Urteil, sagte Serebrennikow. Sein Verteidiger Dmitri Charitonow kündigte an, dagegen vorzugehen. Die Richterspruch sei noch nicht rechtskräftig. Serebrennikow sagte unter Beifall seiner Fans: "Danke für Eure Unterstützung. Danke, dass Ihr an unsere Unschuld glaubt. Für die Wahrheit muss man kämpfen."

Im Zusammenhang mit dem Prozess sagte die prominente Kulturexpertin Irina Prochorowa im Radiosender Echo Moskwy, Russland erlebe gerade die "Wiedergeburt einer stalinistischen Repressionsmaschine". Der Philosoph Leonid Gosman sprach von einem "echten Hass" des Machtapparats gegen Serebrennikow. "Das ist ein Regime, das gegen alles Lebendige, gegen alles Talentierte ist", sagte er in einer Videoschalte der Internetplattform des Radiosenders.

Kirill Serebrennikow | Bildquelle: dpa
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Kirill Serebrennikow gilt als wichtiger Regisseur der liberalen Kunstszene Russlands.

Protest in Berlin

Auch in Deutschland zeigten sich viele unter dem Schlagwort #freekirill im Internet solidarisch. In Berlin fand eine Protestaktion statt, zu der auch der Schauspieler Lars Eidinger aufgerufen hatte. Vor der russischen Botschaft versammelten sich laut der Dramaturgin Birgit Lenners etwa 120 Unterstützer Serebrennikows und forderten seine Freilassung. Wie Lengers schilderte, wurde vergeblich versucht, dem Botschafter eine Unterstützerliste mit 56.000 Unterschriften zu überreichen.

Der Starregisseur übt in seinen Filmen und Theateraufführungen immer wieder auch Gesellschaftskritik. Serebrennikow hatte in seinem Schlusswort vor Gericht am Montag seine Unschuld beteuert und hervorgehoben, dass in dem Verfahren keine Beweise vorgelegt worden seien.

Im vergangenen Jahr kam Serebrennikow nach mehr als anderthalb Jahren im Hausarrest mit Einschränkungen auf freien Fuß. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie internationale Stars hatten sich für ihn eingesetzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juni 2020 um 17:00 Uhr.

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