Eine Ärztin misst den Armumfang eines mangelernährten zwölfjährigen Jungen im Jemen. | Bildquelle: © UNICEF/UN0253355/ Huwais

UNICEF-Bericht Ein "tödliches Jahrzehnt" für Kinder

Stand: 30.12.2019 04:19 Uhr

Das UN-Kinderhilfswerk blickt auf ein gewaltsames Jahrzehnt für Kinder in Konfliktgebieten zurück. Mehr als 170.000 Minderjährige seien in der vergangenen Dekade durch kriegerische Auseinandersetzungen verletzt oder getötet worden.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die nachgewiesenen Gewalttaten gegen Kinder in Krisengebieten fast verdreifacht. Die Zahl der Länder mit bewaffneten Konflikten sei die höchste seit der Annahme der Kinderrechtskonvention durch die Vereinten Nationen im Jahr 1989. Das geht aus einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks UNICEF hervor, der nun zum Jahreswechsel veröffentlicht wurde.

Ein "tödliches Jahrzehnt" für Kinder gehe seinem Ende zu, teilte UNICEF mit. Seit 2010 seien insgesamt 170.000 schwere Misshandlungen von Kindern in Krisengebieten nachgewiesen worden - durchschnittlich 45 pro Tag. Darunter fielen zum Beispiel Tötungen, Verstümmelungen, sexuelle Gewalt, Entführungen oder Angriffe auf Schulen oder Krankenhäuser.

Gewalt gegen die Schwächsten

Laut UNICEF wurden bei Konflikten allein im Jahr 2018 mehr als 12.000 Kinder getötet oder verstümmelt und dieselbe Zahl von Kindern anderweitig verletzt, etwa durch sexuellen Missbrauch oder bei Angriffen auf Schulen und Krankenhäuser.

Kinder seien in Konflikt- und Kriegsgebieten Luftangriffen, Landminen, Raketen- und Artielleriebeschuss ausgeliefert. Im ersten Halbjahr 2019 zählte UNICEF mehr als 10.000 betroffene Kinder.

Lage im Jemen, im Kongo und in Syrien besonders dramatisch

UNICEF-Chefin Henrietta Fore stellt fest:

"Konflikte auf der Welt dauern länger, lösen mehr Blutvergießen aus und kosten mehr junge Leben. Angriffe auf Kinder gehen unvermindert weiter, weil sich kriegsführende Parteien über eine der grundlegendsten Regeln der Kriegsführung hinwegsetzen: dem Schutz von Kindern."

Besonders schlimm sei es derzeit für Kinder unter anderem in Syrien, im Kongo und im Jemen. Das Kinderhilfswerk rief zu einem besseren Schutz von Kindern in Krisengebieten weltweit auf.

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UNICEF-Foto des Jahres 2019

Kinder sammeln Müll im Hafen von Manila

Erster Preis: Wenie Mahiya ist 13 Jahre alt und arbeitet als Tagelöhnerin in Tondo, einem Slum am Hafenbecken von Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Sie sammelt für umgerechnet 90 Cent am Tag Plastikflaschen, um diese an Müll-Recycler zu verkaufen. In Tondo gibt es keinen Strom und keinen Trinkwasseranschluss, viele Kinder sterben hier an Lebensmittelvergiftungen. Der deutsche Fotograf Hartmut Schwarzbach hat mit seinem Foto Armut, Kinderarbeit und Umweltverschmutzung eingefangen. | Bildquelle: Hartmut Schwarzbach, Germany (Argus Photo Agency)

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Dezember 2019 um 06:45 Uhr.

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