Parade zur Erinnerung an den Aufstand in Ungarn von 1956 | Bildquelle: dpa

Lehrpläne in Ungarn Jugend ans Gewehr

Stand: 08.08.2017 09:26 Uhr

Die ungarische Regierung bereitet neue Lehrpläne vor, in denen auch militärische Erziehung vorkommen soll. Den belasteten Begriff Wehrkunde vermeidet die Regierung allerdings. Sie bevorzugt blumigere Formulierungen.

Von Oliver Soos, ARD-Studio Wien

Es sei wichtig, dass Schüler etwas über Vaterlandsliebe lernen. Für demokratische Gesellschaften sei es gut, wenn die Bürger bereit seien, ihre Heimat zu verteidigen. So begründete Ungarns Vize-Staatssekretär für Bildung, Zoltan Marusza, die Entscheidung, im Interview mit der Zeitung "Magyar Idök".

Die ungarische Regierung habe deswegen eine Studie in Auftrag gegeben, um einen neuen Lehrplan zu entwickeln, in dem "patriotische und militärische Erziehung" zur Geltung kommen soll.

Festveranstaltung zur Erinnerung an den Aufstand in Ungarn von 1956 | Bildquelle: dpa
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Ungarns Ministerpräsident Orban setzt auf Patriotismus - wie hier bei Feiern zum Gedenken an den Aufstand von 1956.

Ein neues "Lebensgefühl"

Allerdings solle es kein neues Fach"Wehrkundeunterricht" geben, Marusza kann sich vorstellen, entsprechende Inhalte auf mehrere Fächer zu verteilen, zum Beispiel durch Wehrübungen im Sportunterricht oder patriotische Lieder im Musikunterricht. An den ungarischen Schulen solle ein neues "Lebensgefühl" entstehen, so Marusza.

Lehrergewerkschaften und Elternvertreter warnen schon lange vor einer drohenden Militarisierung der Schulen. Der ungarische Bildungsforscher Peter Rado kritisierte in der unabhängigen Zeitung "HVG", dass 6- bis 12-jährige Kinder mit Ideologien bombardiert würden. Sie würden Zwangsanpassung lernen, sodass die Regierung von Viktor Orban folgsame Untertanen bekomme.

Pläne werden nach und nach verändert

Die Regierung Orban hat bereits mehrere umstrittene Änderungen am Schulunterricht vorgenommen: Schulbücher wurden umgeschrieben, hin zu mehr patriotischen Inhalten und einem konservativen Familienbild. Seit 2012 werden alle ungarischen Schüler zu täglichem Sportunterricht verpflichtet. Viele Schulen sind damit überfordert und müssen die Kinder in den Fluren oder auf der Straße turnen lassen.

Regierungskritiker sehen auch hier den Versuch, eine für militärische Zwecke fitte Generation heranzuzüchten. Die Orban-Regierung plant darüber hinaus, 200 Schießstände im ganzen Land errichten zu lassen, an denen auch Jugendliche ausgebildet werden sollen.

Orban-Regierung plant Wehrkunde-Unterricht an den Schulen
O. Soos, ARD Wien
07.08.2017 21:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. August 2017 um 06:33 Uhr.

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