Ein Marokkaner klettert über den Grenzzaun in Melilla | Bildquelle: AFP

Afrikanische Migranten Gebildet - aber unzufrieden

Stand: 21.10.2019 09:45 Uhr

Sie hatten einen Job, waren besser gebildet als Gleichaltrige und wollten dennoch weg - nach Europa. So lässt sich die Situation vieler afrikanischer Migranten beschreiben. Eine UN-Studie gibt Einblick in ihre Situation.

Welche Migranten aus Afrika kommen nach Europa? Warum machen sie sich auf den Weg? Diesen Fragen sind die Vereinten Nationen in einer Studie nachgegangen. Herausgekommen ist der Bericht "Scaling Fences" ("Zäune erklimmen").

Die wichtigsten Erkenntnisse: 58 Prozent von knapp 2000 Befragten hatten vor ihrer irregulären Einreise nach Europa in ihrer Heimat entweder einen Job oder gingen noch zur Schule. Die Hälfte der Befragten gab jedoch an, nicht genug zu verdienen. Für 38 Prozent reichte das Einkommen um durchzukommen, nur zwölf Prozent konnten Geld ansparen.

Die UN-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die stattfindende Entwicklung auf dem Kontinent nicht schnell genug passiere und nur einem Teil der Bevölkerung zugute komme, wie UNDP-Chef Achim Steiner ausführt.

Befragte sind besser gebildet als Altersgenossen

Diejenigen, die sich auf den Weg nach Europa machen, verfügen der Studie zufolge im Schnitt über mindestens drei Jahre längere Schul- oder Ausbildung als die in den Heimatländern Zurückgebliebenen. "Daraus lässt sich schließen, dass eine verstärkte Bildung den Horizont und die Ambitionen des Einzelnen erheblich erweitert hat", heißt es im Bericht. Hindernisse für Chancen oder die Abwesenheit von Wahlmöglichkeiten zeigten sich als wesentlicher Faktor bei der Entscheidung für die Migration, erklärte Steiner.

Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei Ankunft in Europa bei 24 Jahren. 91 Prozent kamen über den Seeweg. Fast alle Befragten gaben an, auf ihrer Reise mit Gefahren konfrontiert gewesen zu sein. Trotzdem sagten nur zwei Prozent, dass sie die Reise nicht angetreten hätten, wenn sie gewusst hätten, was auf sie zukommt.

Geld an die Verwandtschaft

Gut die Hälfte der Migranten gab an, für die Reise nach Europa von Verwandtschaft und Freunden unterstützt worden zu sein. Etwa 78 Prozent schickten nun Geld zurück. Vielfach hätten die Menschen aber ein Gefühl des Versagens, nicht ausreichend finanzielle Mittel in die Heimat transferieren zu können.

Befragt wurden insgesamt 1970 Afrikaner aus 39 Ländern, die auf irregulären Wegen nach Europa kamen und inzwischen in 13 verschiedenen Staaten leben.

Weniger Migration 2019

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind im Jahr 2019 bislang mehr als 91.000 Migranten nach Europa eingereist - deutlich weniger als in den Vorjahren. Die meisten von ihnen kamen auf dem gefährlichen Seeweg von Libyen oder Marokko in oftmals schrottreifen Booten. Die IOM geht davon aus, dass dieses Jahr mehr als 1000 Migranten bei der Überfahrt im Mittelmeer starben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2019 um 10:00 Uhr.

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