Die Vereinten Nationen in New York. | AFP

UN-Sondergipfel zur Corona-Krise Besser spät als nie?

Stand: 03.12.2020 05:26 Uhr

Nach monatelangem Streit, wie der Kampf gegen die Corona-Krise koordiniert werden soll, kommt nun heute der UN-Sondergipfel zusammen. Dabei geht es auch darum, wie auf der ganzen Welt Impfstoffe gerecht verteilt werden können.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York 

UN-Generalsekretär António Guterres macht keinen Hehl daraus, dass er frustriert ist. Die Pandemie sei ein Test für die internationale Kooperation. Ein Test, den wir verloren haben, sagt Guterres. 1,5 Millionen Tote weltweit und mehr als 62 Millionen Erkrankte seien das Ergebnis eines Mangels an Vorbereitung, Kooperation, Einigkeit und Solidarität.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Monatelang hatten sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats gestritten, bis sie sich Anfang Juli auf eine Resolution zur Corona-Pandemie einigen konnten. Schon damals wurde über eine Sondersitzung der Generalversammlung diskutiert, die nun heute endlich beginnen soll.

Gipfel viel zu spät?

Auch der Präsident der Generalversammlung Volkan Bozkir findet, dass das viel zu spät ist. Das Treffen hätte im Sommer stattfinden müssen, sagt dessen Sprecher Brenden Varma. Immerhin haben Vertreter von mehr 140 Nationen Videobotschaften angekündigt. Darunter mehr als 50 Staatsoberhäupter und 40 Regierungschefs. Die Rede von Bundeskanzlerin Merkel wird am späten Abend deutscher Zeit erwartet.

Das Ziel ist es, den Multilateralismus wiederzubeleben. Zur Zeit sehen wir viele nationale Ansätze. Wir wollen die Länder der Welt mit UN-Akteuren, Vertretern aus dem privaten Sektor und Impfstoff-Entwicklern zusammenbringen, um zu sehen, wo wir stehen und wie es weitergehen kann, so dass wir eine gemeinsame Strategie haben, um die Pandemie zu bekämpfen.

Der späte Zeitpunkt des Sondergipfel könnte dabei sogar eine Chance sein. Denn inzwischen stehen verschiedene Impfstoffkandidaten vor der Zulassung. Am Freitag wird auf einem Panel über die weltweite Verteilung diskutiert - aus Mainz sollen dazu auch die Chefs von BioNtech zugeschaltet werden, die zusammen mit Pfizer einen Impfstoff entwickelt haben.

Was wir wollen ist, dass alle Menschen weltweit Zugang zu einem Corona-Impfstoff haben - unabhängig davon, ob in einer Industrienation oder einem Entwicklungsland. Der Impfstoff muss als weltweites öffentliches Gut behandelt werden. Das wird der Generalsekretär in seiner Eröffnungsrede deutlich machen.

So sagt es dessen Sprecher Stephane Dujarric. Aus einigen Ländern gibt es bereits die Forderung, die Corona-Impfstoffe als Generika freizugeben, also den Patentschutz aufzuheben.

Ziel: Einfachen Zugang zu Impfstoffen

Doch die Vereinten Nationen wollen die weltweite Verteilung des Impfstoffs über COVAX organisieren, eine Allianz, die die Weltgesundheitsorganisation zusammen mit der Europäischen Kommission gegründet hat.

COVAX ist das zentrale Element für uns. Allerdings gibt es noch Finanzierungsprobleme, auch wenn die G20 kürzlich Geld gegeben haben. Über COVAX haben alle Länder zu geringen Kosten oder sogar kostenlos Zugang zu Impfstoffen. Dieses System bleibt erstmal unser Fokus.

Ein weiterer: Die Menschen davon zu überzeugen, sich überhaupt impfen zu lassen. Der UN-Generalsekretär will dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Aber erst, wenn besonders anfällige Bevölkerungsgruppen und Angestellte aus dem Gesundheitsbereich geimpft worden sind.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Dezember 2020 um 06:45 Uhr.

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Moderation 03.12.2020 • 14:51 Uhr

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