US-Vizepräsident Mike Pence im UN-Sicherheitsrat. | Bildquelle: dpa

UN-Sicherheitsrat US-Vizepräsident Pence droht Venezuela

Stand: 11.04.2019 03:17 Uhr

Beim Auftritt des Trump-Stellvertreters vor dem UN-Sicherheitsrat kam es zum Eklat: Pence griff den venezolanischen Botschafter scharf an, drohte sogar mit einem militärischen Eingreifen.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Mike Pence. Der US-Vizepräsident ließ den Sicherheitsrat warten. Die Sitzung zur humanitären Lage in Venezuela hatte längst begonnen. Was der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock über die desaströse Lage im Land berichtete, Pence verpasste es. Er kam zu spät. Und alle warteten.

Der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen, Präsident des Sicherheitsrates, etwas ratlos. Dann aber ging die Tür auf. Auftritt Pence. Und was für einer.

"Sie sollten hier gar nicht sein", sagt Pence dem UN-Botschafter Venezuelas ins Gesicht. Samuel Moncada, der Botschafter von Präsident Nicolás Maduro, den die USA und viele andere Staaten längst nicht mehr anerkennen, er schaut hoch in den Saal. Und Pence legt nach:  

"Sie sollten nach Venezuela zurückgehen und Maduro sagen, seine Zeit ist abgelaufen. Er muss gehen."

Frontalangriff der USA

Es war ein Frontalangriff des US-Vizepräsidenten hier im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, deren Rolle und Macht die USA schon länger hinterfragen. Pence erinnert dann genervt im Beisein des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres daran, dass die UN einst gegründet wurden, um Sicherheit und Frieden zu garantieren: "Deshalb", sagt Pence, "fordern die USA die UN auf, ihren Job zu machen". 

Dann macht er eine lange Pause, in die er alle Enttäuschung der USA hineinlegt.

Pence kündigt 60 Millionen Dollar Hilfsgelder für die Menschen in Venezuela an. Er nennt das Land einen "Failed State" - einen gescheiterten Staat - und droht: Die USA würden mit diplomatischem und wirtschaftlichem Druck eine friedliche Lösung anstreben.

Der UN-Sicherheitsrat in New York (Archiv). | Bildquelle: AFP
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Der UN-Sicherheitsrat in New York (Archiv).

Aber alle Optionen seien auf dem Tisch. Alle Optionen? Venezuelas Botschafter wird später sagen, mit welchem Recht bedrohe die USA ein anderes Land im Sicherheitsrat mit Krieg?

USA wollen Resolution, die Guaidó anerkennt

Die Atmosphäre im Saal ist giftig. Die USA wollten eine Resolution, die den Oppositionsführer Guaidó als Präsidenten anerkennt und internationale Hilfe ins Land lässt. Schurkenstaaten wie Kuba und Iran, so die Wortwahl von Pence, aber würden Venezuela stützen, während Russland und China hier im Rat alles verhinderten. 

Der russische UN-Botschafter Vassili Nebenzia schäumte später. Da war Pence längst gegangen. Er nämlich war gekommen, um zu reden. Nicht, um zuzuhören. Nebenzia aber rief Pence hinterher. "Wenn sie Amerika groß machen wollen, was wir alle möchten, dann hören sie auf, sich in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen."

Venezuela am Rande einer humanitären Katastrophe

Venezuela aber ist ein Land, das untergeht. Bis Ende des Jahres werden fünf Millionen Flüchtlinge erwartet, ein Exodus. Derzeit, das sagt der UN-Nothilfekoordinator Lowcock, bräuchten sieben Millionen Venezolaner humanitäre Hilfe - Tendenz steigend. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Die Krise in Venezuela erfüllt alle Bedingungen für einen humanitären Notfall, und Guterres sollte diesen Notfall umgehend erklären, um unabhängige Hilfe schicken zu können.

All das hörte der US-Vizepräsident Pence längst nicht mehr. Mit einem dreifachen Gottesgruß war die Nummer Zwei der USA nach 18 Minuten wieder gegangen.  

US-Vizepräsident Pence droht Venezuela im UN-Sicherheitsrat
Georg Schwarte, ARD New York
11.04.2019 08:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2019 um 23:00 Uhr.

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