Dorfbewohner tragen in Indien eine kranke Person auf einer Trage durch die überfluteten Straßen (Archivbild vom 18.08.2017). | Bildquelle: dpa

UN-Bericht Naturkatastrophen immer gravierender

Stand: 10.10.2018 15:30 Uhr

Die Schäden durch klimabedingte Naturkatastrophen explodieren - und immer mehr Menschen verlieren dadurch ihr Leben, warnen Experten der Vereinten Nationen. Vor allem die Ärmsten der Armen seien betroffen.

Klimabedingte Naturkatastrophen haben in den vergangenen 20 Jahren nach einem UN-Bericht stark zugenommen. Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände verursachten mehr als doppelt so hohe Schäden wie im Zeitraum 1978 bis 1997, erklärte das UN-Büro für Katastrophenvorsorge (UNISDR) in Genf.

Rund 1,3 Millionen Menschen kamen demnach zwischen 1998 und 2017 bei Naturkatastrophen ums Leben. 44 Prozent der Todesfälle würden auf klimabedingte Katastrophen zurückgehen. Außerdem seien etwa 4,4 Milliarden Kinder, Frauen und Männer verletzt oder obdachlos geworden oder hätten ihren Lebensunterhalt verloren. UNISDR-Vertreter Ricardo Mena sprach von alarmierenden Zahlen.

Schäden immer höher

Die gemeldeten Schäden lagen dem Bericht zufolge bei umgerechnet rund 1,9 Billionen Euro. Es ist das Zweieinhalbfache der Schäden im 20-Jahres-Zeitraum davor. UNISDR geht davon aus, dass die tatsächliche Schadenshöhe noch weit darüber liegt, weil nur bei rund einem Drittel der Katastrophen Schäden beziffert worden seien. In vielen armen Staaten würden Schäden und Opfer gar nicht erfasst.

Die Zahl der klimabedingten Katastrophen sei von durchschnittlich 165 auf 329 pro Jahr gestiegen, heißt es in dem Bericht. "Der Klimawandel führt zu immer mehr und immer größeren Katastrophen", sagte UNISDR-Sprecher Denis McClean der Nachrichtenagentur epd. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden demnach weltweit insgesamt 7255 Naturkatastrophen registriert.

"Wir brauchen Lösungen"

Die mit Abstand größten finanziellen Schäden verzeichneten der Studie zufolge von 1998 bis 2017 die USA - auch, weil Häuser und Infrastruktur dort deutlich teurer sind als in vielen anderen Ländern. Bei den erfassten absoluten Schäden liegt demnach auch Deutschland weit oben, vor allem wegen der Folgen von Überschwemmungen. Wesentlich schlimmer sieht es dem UN-Bericht aber in Entwicklungsländern aus.

"Von Katastrophen sind immer die Ärmsten der Armen betroffen", sagte die Forscherin Debarati Guha. "Ärmere Länder mit weniger Versicherungen werden härter durch Katastrophen getroffen." Sie forderte mehr Einsatz für die betroffenen Menschen: "Arme Länder haben keine 20 Jahre mehr, bis gehandelt wird. Die meisten Kinder sind bis dahin tot - wir brauchen Lösungen in den nächsten fünf bis zehn Jahren."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk (Forschung aktuell) am 19. April 2016 um 16:35 Uhr.

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