Screenshot des Twitter-Accounts Russia MFA in Crimea

Ukraine gegen Russland Diplomaten-Streit um Twitter-Haken

Stand: 17.01.2019 02:07 Uhr

Twitter hat dem Account "Russlands Außenministerium auf der Krim" den begehrten blauen Haken verliehen. Für die Ukraine ist das ein Politikum. Sie protestiert heftig dagegen.

Von Kai Küstner, NDR

"Guten Morgen, Freunde! Habt eine wunderbare Woche!" Mit diesen freundlichen Worten begrüßte der vom russischen Außenministerium auf der Krim betriebene Twitter-Account an diesem Montag seine Follower und garnierte das mit einem Heile-Welt-Foto: Man blickt von einer Anhöhe hinab in eine malerische Bucht auf der Krim-Halbinsel. Eingerahmt ist die Szenerie von mit pudrigem Schnee bedeckten Zweigen.

Doch das Postkarten-Idyll trügt. Die Sache mit diesem Twitter-Profil ist in Wahrheit hochpolitisch. "Russia's MFA in Crimea" - übersetzt "Russlands Außenministerium auf der Krim" - nennt sich der Account offiziell.

Ukraine reicht Beschwerde ein

"Twitter muss diesen Account blockieren!", beschwerte sich - übrigens per Tweet - vor wenigen Tagen die ukrainische Regierung. Genauer: die ukrainische Botschaft in Großbritannien. Russland hatte die Krim-Halbinsel 2014 - nicht nur aus Sicht von EU, USA und NATO -  völkerrechtswidrig annektiert. Was die Regierung in Kiew darüber hinaus besonders aufregt: Twitter hat den Account - betrieben von einer Art Zweigstelle des Außenministeriums in Moskau auf der Krim - mit dem begehrten "blauen Haken" versehen.

"Es ist absolut inakzeptabel, dem sogenannten 'Russischen Außenministerium' auf der besetzten Krim einen blauen Haken zu geben! Russland hat die Krim illegal annektiert, hat sie militarisiert und begeht schwere Menschenrechtsverletzungen", erklärte entsetzt die ukrainische Botschaft in London und reichte offiziell Beschwerde bei Twitter ein.

Blauer Haken kann auf Antrag vergeben werden

Den "blauen Haken" verleiht der Kurzbotschaftendienst auf Antrag jenen Konten, die von "öffentlichem Interesse" sind, wie es in den Twitter-Regularien heißt - und weist damit aus, dass sich unter diesem Profil nicht irgendjemand mit fremden Federn schmückt. "Dass es also nicht ein Satire-Account ist, bei dem sich jemand anderes den Namen einfach gemopst hat. Sondern dass es wirklich der Mensch oder die Institution ist, deren Name auch daneben steht", erklärt Fiete Stegers, Social Media-Experte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Aus seiner Sicht heißt das aber nicht, dass sich Twitter in diesem Streitfall elegant aus der Affäre ziehen kann. Es verhalte sich eben nicht gänzlich unpolitisch und neutral. "Auch wenn Twitter sagt, dass dieser Haken nicht bedeutet, dass sie die Inhalte billigen, so verleiht es dem Account doch Glaubwürdigkeit in den Augen der normalen Nutzer. Weil es eben nicht jeder hat", sagt Stegers.

Wirkung wie ein Gütesiegel

Die Ukraine geht noch einen Schritt weiter: Aus ihrer Sicht kommt der blaue Haken neben dem Namen des russischen Twitter-Profils quasi einer Anerkennung gleich, dass die Krim nunmehr zu Russland gehöre. Zumindest befürchtet man, dass das in den Augen der Nutzer so wirkt. Daher auch die offizielle Beschwerde.

Einen weiteren "Haken mit dem Haken" sieht Medien-Wissenschaftler Stegers auch darin, dass normale Twitter-Nutzer diesen derzeit gar nicht bekommen können - "Wir nehmen zurzeit keine neuen Anfragen an", heißt es dazu beim sozialen Netzwerk. Gerade deshalb aber wirke der Haken wie ein Gütesiegel. "Insofern ist die Entscheidung von Twitter, einen bestimmten Account zu verifizieren, eben sehr bewusst getroffen", so Stegers.

Zu dem Streit Russland-Ukraine wollte sich Twitter selbst übrigens nicht äußern. "Kein Kommentar", hieß es auf NDR-Anfrage schlicht aus der Pressestelle.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Januar 2019 um 10:08 Uhr.

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