Die Sängerin Maruv | Bildquelle: AP

Streit über Sängerin Ukraine sagt ESC-Teilnahme ab

Stand: 27.02.2019 21:32 Uhr

Zweimal hat die Ukraine den ESC gewonnen - doch für dieses Jahr hat das Land die Teilnahme abgesagt. Vorausgegangen war ein Streit, weil die Siegerin des Vorentscheids auch Auftritte in Russland plant.

Die Ukraine hat ihre diesjährige Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) abgesagt. Als Grund führte die ukrainische Radio- und Fernsehanstalt die "exzessive Politisierung des nationalen Vorentscheids" über die Teilnahme an. Sie beklagte insbesondere, dass viele ukrainische Unterhaltungskünstler "Verbindungen mit dem Aggressorland" - also mit Russland - unterhielten.

Die Absage war eine Reaktion auf einen heftigen öffentlichen Streit zwischen der Siegerin der Vorauswahl, Maruv, und der Rundfunkanstalt. Die Sängerin hatte den nationalen Vorentscheid deutlich gewonnen. Nationalistische Politiker warfen ihr danach ihre Auftritte im Nachbarland Russland vor und kritisierten sie dafür.

Auch gibt es politische Vorgaben des Senders an die ukrainische ESC-Teilnehmerin. Nach Maruvs Angaben untersagte ihr der Vertrag Konzerte in Russland, obwohl sie für April mehrere Auftritte in Moskau geplant hatte. Das wollte die Sängerin nicht akzeptieren. Sie warf der Anstalt politische Instrumentalisierung vor und erklärte, dass sie "kein Werkzeug im politischen Spiel" sein wolle.

Details aus dem Vertrag veröffentlicht

Die Rundfunkanstalt teilte daraufhin am Montag mit, Maruv nicht nach Tel Aviv zu schicken. Sie erklärte, die Sängerin weigere sich, als "Kulturbotschafterin der Ukraine" und "Sprachrohr der öffentlichen Meinung der Ukraine" aufzutreten. Am Mittwoch folgte nun die komplette Absage der Teilnahme des Landes, das den Wettbewerb zweimal gewonnen hatte.

Die Rundfunkgesellschaft veröffentlichte zudem einige Inhalte des Vertrages, den Vertreter des Landes beim ESC unterschreiben müssen. Darin heißt es etwa, den Künstlern seien Aussagen verboten, "welche die territoriale Integrität und Sicherheit der Ukraine infrage stellen könnten". Zudem dürfen Musiker drei Monate nach dem ESC-Finale nicht in Russland auftreten.

Weitere Vorentscheid-Teilnehmer lehnten ab

Seit Maruvs Ausscheiden haben auch andere Teilnehmer des Vorentscheids abgelehnt, die Ukraine beim ESC zu vertreten - darunter das zweitplatzierte Trio Freedom Jazz und die Band Kazka, die Rang drei belegt hatte.

Vor zwei Jahren hatte die Ukraine schon einmal als Gastgeberland des ESC für einen Eklat gesorgt, als sie der russischen Kandidatin Julia Samoilowa die Einreise verweigerte, weil diese 2015 ein Konzert auf der von Russland annektierten Krim-Halbinsel gegeben hatte. Daraufhin verzichtete Russland auf seine Teilnahme.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2019 um 09:00 Uhr.

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