Grabkammer Tutanchamuns in Tal der Könige bei Luxor

Streit bei Experten in Ägypten Was ist hinter Tutanchamuns Grabkammer?

Stand: 08.05.2016 19:29 Uhr

Mögliche Hohlräume hinter den Mauern des Grabes von Pharao Tutanchamun beschäftigen die Experten. Dort könnte sich die Entdeckung des Jahrhunderts befinden: das Grab der Nofretete. Andere hingegen sind sich sicher: Hinter der Wand befindet sich überhaupt nichts.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Es könnte die Entdeckung des Jahrhunderts werden: das Grab der Nofretete. Im August hatte der britische Ägyptologe Nicholas Reeves die These aufgestellt, dass sich ihre letzte Ruhestätte im Tal der Könige befinden könnte: hinter der Grabkammer ihres Stiefsohnes Tutanchamun. Bislang handelt es sich dabei lediglich um eine Theorie, die weltweit Aufsehen erregte. Doch Zahi Hawas, Ägyptens ehemaliger Antikenminister, will nichts mehr davon hören: "Ich rechne damit, dass sich hinter der Wand in der Grabkammer Tutanchamuns überhaupt nichts befindet."

Unter Ägyptens gestürztem Präsidenten Hosni Mubarak gab Hawas Jahrzehnte lang den Ton an, wenn es um die Altertümer ging, obwohl er als Archäologe nicht unumstritten ist. In den vergangenen Monaten hatten Experten die Grabkammer von Tutanchmun unter die Lupe genommen. Doch mehrere Scans und Radar-Messungen japanischer Experten brachten kein eindeutiges Ergebnis.

Kritik an ausländischen Experten

Bei der internationalen Tutanchamun-Konferenz in Kairo meldet sich Hawas, der 2011 abgesetzt wurde, nun wortreich zurück - und lässt kein gutes Haar an den ausländischen Experten: "Ich habe alle Beweise analysiert, die dieser britische Wissenschaftler vorgeführt hat. Sie sind nicht wissenschaftlich", sagte Hawas: "Auch die Radarmessungen der japanischen Experten haben nicht bewiesen, dass sich irgendetwas hinter der Wand befindet. Alles, was über ein mögliches Grab hinter der Wand gesagt wurde, entbehrt einer wissenschaftlichen Basis."

Das will der Ägyptologe Reeves nicht gelten lassen. Er habe 18 Monate lang geforscht, bevor er seinen Aufsatz veröffentlichte, betont Reeves mit britischer Gelassenheit - und lobt die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in Ägypten: "Ich finde, die ägyptische Regierung hat die Untersuchungen bisher ausgesprochen gut gehandhabt. Und viele Vorwürfe, die geäußert wurden, sind - vielleicht - ein bisschen unfair."

"Ein freier Raum? Eine Galerie?"

Mamdouh El-Damati, der die Untersuchungskommission als Antikenminister einige Monate lang leitete, ist überzeugt, dass sich hinter den Wänden von Tutanchamuns Grab Hohlräume befinden. Aber die Theorie von Reeves, dass Nofretete dort begraben wurde, überzeugt ihn nicht: "Wir haben etwas hinter der Wand. Was soll das sein? Ein freier Raum, eine Galerie - wir können es nicht sagen."

Nun soll weiter geforscht werden, was sich hinter Tutanchamuns Grab befindet. Nicholas Reeves freut sich darüber: "Auch wenn dort nichts ist - gibt uns das die Gelegenheit, viele Methoden auszuprobieren, die auch anderswo in der Archäologie einsetzbar wären. Ein gutes Ergebnis wäre natürlich großartig, aber auch ein schlechtes Ergebnis wäre nicht wirklich schlecht, weil es uns weitere Forschungsmethoden erschließen würde."

"Enorme Propaganda für nichts"

Eine Einschätzung, die viele Archäologen und andere Wissenschaftler auf der Konferenz teilen. Lediglich Hawas, der Ex-Minister, mahnt zur Skepsis gegenüber den ausländischen Experten: "Reeves hat enorme Propaganda für nichts gemacht, aber wir müssen mit den Behauptungen der Ausländer bezüglich unserer Altertümer vorsichtig umgehen, da sie nur dabei auf ihre eigene Berühmtheit auf Kosten unserer Altertümer zielen."

Nach einer dreitägigen Konferenz in Kairo und ausgiebigen Debatten will die ägyptische Regierung Tutanchamuns kunstvoll verzierte Grabkammer nun weiter erforschen lassen, bis die Experten hundertrprozentig sicher sind, dass sie etwas finden werden. Erst dann will die Regierung den nächsten Schritt wagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Mai 2016 um 23:24 Uhr

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