Eine Rettungsweste treibt im Mittelmeer | Bildquelle: Alliance

Vor tunesischer Küste Flüchtlinge bei Bootsunglück ertrunken

Stand: 11.06.2020 17:36 Uhr

Vor der Küste Tunesiens ist ein Boot mit mehr als 50 Flüchtlingen an Bord gekentert. Dabei kamen mindestens 45 Menschen ums Leben. Die Migranten wollten offenbar nach Italien.

Vor der tunesischen Küste ist ein Schiff mit Flüchtlingen an Bord gekentert. Mitarbeiter des Roten Halbmonds bargen viele Leichen aus dem Meer. Die Zahl der Migranten, die bei der Überfahrt ums Leben kamen, sei auf 45 gestiegen, teilte der Generaldirektor der Hilfsorganisation in der Provinz Sfax, Anas Al-Hakim, mit. Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder. Eine der Frauen soll hochschwanger gewesen sein.

Mehr als 50 Menschen auf einem Boot für 20 Passagiere

Die Suche nach weiteren Vermissten im Meer vor der Stadt Sfax laufe noch, sagte Al-Hakim. Nach Angaben der tunesischen Küstenwache waren mehr als 50 Menschen auf dem Boot, das am vergangenen Samstag in Richtung Italien ablegte. Die meisten der Opfer stammten den Behörden zufolge aus Ländern südlich der Sahara.

Das Boot sei lediglich für den Transport von 20 Passagieren geeignet gewesen.

Kaum Rettungseinsätze durch Corona-Krise

Die italienische Zeitung "Repubblica" schrieb, dass libysch-tunesische Schleuserorganisationen vermehrt in Libyen gestrandete Flüchtlinge nach Tunesien bringen, um sie von dort über das Mittelmeer nach Italien zu schicken.

Der Einsatz von Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer wird derzeit durch die Corona-Krise erschwert. So hatte Italien Anfang April seine Häfen für Schiffe der Seenotretter geschlossen. Trotzdem versuchen offenbar mehr Menschen die Flucht nach Europa. Nach Angaben des italienischen Innenministeriums von Ende Mai sind in den ersten Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dreimal so viele Flüchtlinge angekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2020 um 15:00 Uhr.

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