Rettungskräfte gehen in der Stadt Bozkurt in der türkischen Provinz Kastamonu nach einer Überschwemmung durch eine Straße.

Überflutungen und Brände Tote in der Türkei, Evakuierungen bei Athen

Stand: 17.08.2021 00:59 Uhr

Extremes Wetter am Schwarzen Meer und am Mittelmeer: In der Türkei sind mindestens 77 Menschen bei Überflutungen ums Leben gekommen. Brände lodern dagegen nahe Athen in Griechenland und bei Jerusalem in Israel.

Heftige Regenfälle haben in den vergangenen Tagen zu den schlimmsten Überflutungen seit Jahren in der türkischen Schwarzmeerregion im Norden des Landes geführt. Besonders betroffen sind die Provinzen Kastamonu, Sinop und Bartin. Mehrere Häuser wurden von den Fluten zum Einsturz gebracht, auch Brücken stürzten ein.

Mindestens 77 Menschen starben. Mehr als 40 Menschen würden noch vermisst, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad.

In den betroffenen Regionen gingen die Rettungsarbeiten weiter, teilte Afad mit. Tausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Gleichzeitig seien Aufräumarbeiten im Gange, um Straßen und Gebäude von Schlamm zu befreien, den die Fluten zurückgelassen haben. Nach Ansicht von Experten ist neben dem Klimawandel auch die Begradigung von Flüssen und die Einengung des Flusses Ezine im Bezirk Bozkurt ein Faktor für die starken Überschwemmungen.

Waldbrand bei Jerusalem

Die israelische Regierung hat um internationale Hilfe im Kampf gegen einen schweren Waldbrand nahe Jerusalem gebeten. Griechenland und Zypern hätten bereits zugesagt, Löschflugzeuge nach Israel zu schicken, sagte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Darüber hinaus seien noch weitere Länder mit der Bitte um Hilfe kontaktiert worden, darunter Italien und Frankreich.

Nach Angaben des israelischen Feuerwehr- und Rettungsdienstes wurden durch den Brand binnen zwei Tagen bereits rund 2000 Hektar Land zerstört. Hunderte Feuerwehrleute, ein Dutzend Löschflugzeuge und ein Hubschrauber waren demnach im Einsatz, um die sich ausbreitenden Flammen einzudämmen. Auch nach Einbruch der Dunkelheit am Montagabend waren demnach noch etwa hundert Feuerwehrleute im Einsatz gegen die Flammen.  Der Brand war am Sonntag in den bewaldeten Hügeln westlich von Jerusalem ausgebrochen.

Nach Angaben der Polizei mussten Tausende Familien in mehreren Orten ihre Häuser verlassen und sich in Sicherheit bringen. Während die Einsatzkräfte in zwei der betroffenen Ortschaften die Rückkehr der Einwohner wieder erlaubten, waren drei Orte am Morgen noch nicht für eine Rückkehr freigegeben. Die Armee hatte die Evakuierungsmaßnahmen mit Hubschraubern unterstützt.

Nach einem Bericht des Armeesenders geht die Polizei davon aus, dass das Feuer durch Menschen verursacht worden ist. Es müsse sich aber nicht unbedingt um Brandstiftung handeln, sondern könne auch durch Unachtsamkeit entstanden sein.

Rauch eines Waldbrandes ist in der Nähe von Givat Yearim am Stadtrand von Jerusalem zu sehen. | REUTERS

Der Rauch eines Feuers ist in der Nähe von Givat Yearim am Stadtrand von Jerusalem zu sehen. Bild: REUTERS

Mehrere Brandherde um Athen

Im Großraum Athen sind mehrere Waldbrände ausgebrochen. Ein Brand tobt im Osten der Hauptstadt, nahe der Kleinstadt Keratea. Mehrere nahe Gemeinden wurden evakuiert. In der Nähe der Ortschaft Villia, die westlich von Athen liegt, zerstörten die Flammen einen großen Pinienwald. Ortschaften wurden dort zunächst nicht bedroht, teilte der Zivildienst weiter mit.

Mehrere Löschflugzeuge und Hubschrauber wurden eingesetzt, um die Feuer einzudämmen, wie im Fernsehen zu sehen war. Schon zuvor wütete ein Brand nahe der Hafenstadt Lavrio. Die Bewohner dreier Dörfer 50 Kilometer südöstlich der griechischen Hauptstadt wurden laut Feuerwehr zur sofortigen Evakuierung aufgerufen.

Dicke Rauchschwaden aus dem Osten Athens waren bis in die rund 20 Kilometer entfernte griechische Hauptstadt zu sehen. Das Feuer erstrecke sich über eine breite Front und werde von starkem Wind angefacht, sagte Vizegouverneur Thanassis Avgerinos der Nachrichtenagentur AFP. Die Region sei mit leicht entflammbaren Kiefern bewachsen.

Seit Ende Juli sind bei rund 600 Waldbränden in Griechenland bereits etwa 103.000 Hektar Wald in Flammen aufgegangen. Besonders schwer betroffen ist die Insel Euböa. Zahlreiche Brände gab es jedoch auch auf dem Peloponnes westlich von Athen und rund um die Hauptstadt selbst.

Waldbrände auch in Südfrankreich

Mit einem massiven Aufgebot setzte auch die Feuerwehr in Südfrankreich in der Nacht den Kampf gegen mehrere große Waldbrände fort. "Alle meine Unterstützung gilt den 650 Feuerwehrleuten, die diese Nacht zum Schutz der Bevölkerung mobilisiert sind", sagte Innenminister Gérald Darmanin am Abend auf Twitter. Im Departement Var wüte ein großer Brand und die Wetterbedingungen seien ungünstig. Am Dienstag wollte der Minister die betroffene Region besuchen. Vorangegangen waren den Bränden eine Hitzewelle und große Trockenheit.

Alleine zu einem Brand in Gonfaron in den Bergen unweit von Saint-Tropez seien 430 Feuerwehrleute ausgerückt, bis zum Einbruch der Dunkelheit seien sie von Löschflugzeugen unterstützt worden, teilte die Zivilschutzbehörde mit. Verstärkung sei auf dem Weg. Wie der Sender BFMTV berichtete, vernichteten die Flammen bereits ein Gelände von rund 2800 Hektar, angefacht wurden sie von kräftigem Wind. Mehrere Landstraßen mussten gesperrt werden. Zuvor hatte die Feuerwehr in Marseille auf Twitter über einen Brand auf einem Bergzug außerhalb der Stadt berichtet, zu dem rund 100 Löschkräfte mit 40 Fahrzeugen ausgerückt seien. Menschen gerieten in dem unbewohnten Gelände zunächst nicht Gefahr.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 16. August 2021 um 13:30 Uhr in den Nachrichten.