Polizisten in der Türkei, Archivbild | Bildquelle: AP

Türkei Fahndung nach 1100 mutmaßlichen Gülen-Anhängern

Stand: 12.02.2019 09:41 Uhr

Die türkische Justiz geht weiter gegen mutmaßliche Anhänger des Predigers Gülen vor. Die Staatsanwaltschaft stellte mehr als 1100 Haftbefehle aus. Die Verdächtigen sollen systematisch bei Polizeiprüfungen betrogen haben.

Die Generalstaatsanwaltschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara hat die Festnahme von mehr als 1100 mutmaßlichen Gülen-Anhängern im Zusammenhang mit dem Putschversuch vor zweieinhalb Jahren angeordnet. Zur Ergreifung der insgesamt 1112 Verdächtigen werde ein Einsatz in 76 Provinzen gestartet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Dies sei eine der größten Polizeiaktionen gegen mutmaßliche Anhänger des Geistlichen Fethullah Gülen gewesen, den die Regierung für den Umsturzversuch verantwortlich macht, berichtete CNN Turk. Schwerpunkt der landesweiten Razzien war demnach die Hauptstadt Ankara.

Die Gesuchten sollen nach Angaben von Anadolu im Jahr 2010 bei dem Polizeikommissar-Examen betrogen haben. Demnach hätten sie die Prüfungsfragen vorher erhalten. Experten gehen davon aus, dass die Gülen-Bewegung im großen Stil Prüfungsfragen für die Polizei- oder Offizierslaufbahn besorgt hat, um ihren Anhängern eine Position im gehobenen Staatsdienst zu verschaffen. So habe die Bewegung es geschafft, den türkischen Staat zu unterwandern.

Zehntausende Festnahmen seit Putschversuch 2016

Die Polizei führt regelmäßig Razzien gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger durch. Alleine in der vergangenen Woche wurden nach Angaben von Anadolu mehr als 370 mutmaßliche Unterstützer der Bewegung festgenommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte erst vor kurzem gesagt, dass der Kampf gegen die Gülen-Bewegung noch lange nicht vorbei sei. Fethullah Gülen und Erdogan waren lange Verbündete. Ein Zerwürfnis um Machtfragen wurde 2013 öffentlich, seitdem sind die beiden verfeindet.

Insgesamt wurden im Zusammenhang mit dem Putschversuch bereits mehr als 77.000 Menschen festgenommen. 150.000 Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst und Militärangehörige wurden suspendiert oder entlassen. Der in den USA lebende Prediger Gülen weist die Vorwürfe zurück, für den versuchten Staatsstreich im Sommer 2016 verantwortlich zu sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Februar 2019 um 09:00 Uhr.

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