Rettungskräfte stehen am Unglücksort einer Zugkollision neben den beiden Zügen.  | Bildquelle: dpa

Tschechien Deutscher unter Opfern des Zugunglücks

Stand: 08.07.2020 01:18 Uhr

Zwei Züge sind zwischen Sachsen und Tschechien auf eingleisiger Strecke frontal zusammengestoßen - mit tödlichen Folgen. Unter den Opfern ist auch ein Deutscher. Die Unglücksstelle ist nur schwer zugänglich.

Nach einem tödlichen Zugunglück im tschechischen Grenzgebiet zu Deutschland beginnt die Suche nach den Ursachen. Zwei Personenzüge waren am Nachmittag auf einer eingleisigen Strecke im Erzgebirge frontal ineinander gefahren. Unter den Toten war ein deutscher Staatsbürger, wie eine Sprecherin der Polizei in Karlsbad (Karlovy Vary) bestätigte. Auch ein Tscheche starb bei der Kollision. Nach einer letzten Bilanz des Rettungsdienstes wurden zudem neun Menschen schwer und 15 leicht verletzt.

"Es ist offensichtlich, dass es zu menschlichem Versagen gekommen ist", sagte der tschechische Verkehrsminister Karel Havlicek dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT. Der Politiker war noch am Abend an die Unglücksstelle geeilt. Die Polizei nahm einen der beiden Lokführer fest. Der Verdacht laute auf fahrlässige Gefährdung der Allgemeinheit, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen zu früh losgefahren sein. Er habe neben den Gleisen gesessen und gesagt "Was habe ich nur getan, was habe ich nur getan", berichtete ein Augenzeuge der Zeitung "Pravo". Auch die Eisenbahninspektion nahm Ermittlungen zur Unglücksursache auf.

Zugunglück in der Nähe von Pernink in Tschechien | Bildquelle: AFP
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Rettungskräfte aus Tschechien und Deutschland kümmern sich um die Unfallopfer.

Schwer zugängliche Unglücksstelle

Der eine Zug war auf der eingleisigen Strecke unterwegs vom westböhmischen Bäderort Karlsbad ins sächsische Johanngeorgenstadt, der andere in umgekehrter Richtung. Die kurvenreiche und hügelige Trasse führt über den Erzgebirgskamm. Die beiden Züge sollten sich eigentlich erst im nächsten Bahnhof kreuzen. Die Unglücksstelle in einem Waldstück zwischen den Gemeinden Pernink und Nove Hamry, weniger als zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, war für die Rettungskräfte nur äußerst schwer zugänglich.

Die Feuerwehr musste die Verletzten über die Gleise zu Fuß in den nächsten Bahnhof tragen. Mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz, darunter auch einer aus dem benachbarten Sachsen, um die Schwerverletzten in Kliniken der Region zu bringen. Diese wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Der umliegende Wald wurde nach Verletzten abgesucht, die unter Schock weggerannt sein könnten. Doch es wurde niemand gefunden.

Tschechiens dichtes Eisenbahnnetz

Auf Fotos war zu sehen, dass die beiden Fahrerbereiche komplett demoliert waren. Er sei "zutiefst bestürzt", schrieb Verkehrsminister Havlicek bei Twitter und forderte umfassende Aufklärung. Der Betrieb auf der Strecke wird im sogenannten vereinfachten Nebenbahnbetrieb durchgeführt, das heißt ohne besondere sicherungstechnische Einrichtungen. Dafür ist die Höchstgeschwindigkeit auf 90 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Tschechien verfügt laut Eurostat über eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Europa. Doch große Teile der Infrastruktur sind veraltet. Vor zwei Jahren stellte der Rechnungshof fest, dass 35 Prozent des Wagenmaterials älter als 30 Jahre ist. Im August 2008 starben acht Menschen, als der Eurocity zwischen Krakau (Krakow) und Prag in eine kurz zuvor eingestürzte Brücke fuhr.

Zugunglück in Tschechien
Peter Lange, ARD Prag
07.07.2020 20:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juli 2020 um 20:00 Uhr.

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