Eine Mitarbeiterin verteilt Waren an Bedürftige in der Lebensmittelausgabe «Laib und Seele» der Berliner Tafeln

Lebensmittel in Tschechien Helfen per Gesetz

Stand: 16.01.2019 15:22 Uhr

Supermärkte in Tschechien dürfen unverkäufliche Lebensmittel nicht mehr in den Müll werfen. Sie müssen die Ware unentgeltlich karitativen Organisationen anbieten. Bräuchte auch Deutschland so ein Gesetz?

Von Danko Handrick, ARD-Studio Prag

Täglich fährt Jan Černý mit seinem weißen Kleintransporter Prags Supermärkte an. Waren, die nicht mehr verkäuflich, aber gesundheitlich unbedenklich sind, müssen die Discounter kostenlos an Hilfsorganisationen abgeben - so will es das Gesetz. Und das sei gut so, meint der Mitarbeiter der Prager Lebensmittelbank: "Das ist doch schrecklich, wenn man sieht, wie viele Leute nichts zu Essen haben, und dann fliegen diese ganzen Sachen bei den Läden in den Container."

Zehn Tonnen täglich

Statt auf der Deponie landen die Waren nun in Zdiby, ein paar Kilometer nördlich von Prag. Einige alte Lagerräume dienen hier als Umschlagplatz der Prager Lebensmittelbank. Kistenweise stapeln sich hier Joghurt, Obst und Schokolade. Was morgens hereinkommt, ist abends wieder weg - die Hilfsorganisation verteilt täglich knapp zehn Tonnen Lebensmittel.

Tschechien: Abgelaufene Lebensmittel müssen an Tafel weitergegeben werden
mittagsmagazin, Danko Handrick, ARD Prag

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Věra Doušová, eine resolute Dame in den Siebzigern, führt hier ein ebenso zupackendes wie umsichtiges Regiment über ein knappes Dutzend Mitarbeiter. Weggeschmissen werde hier nichts - alles werde abgeholt von karitativen Organisationen, von Obdachlosenhilfen und Suppenküchen oder direkt von registrierten Bedürftigen. Denen könne man nun viel besser helfen, lobt Doušová: "Wir haben jetzt durch das Gesetz viel mehr Lebensmittel zur Verfügung und eine deutlich breiteres Angebot. Neuerdings bekommen wir auch viel Schnellverderbliches wie Milchprodukte, Brot, Fleisch und Wurst."

22.000 Menschen profitieren

An etwa 150 Hilfsorganisationen verteilt Doušová das, was in den Supermärkten eingesammelt wird. Rund 22.000 Menschen profitieren allein in Prag und Umgebung von dieser Hilfe. Manche kommen auch direkt nach Zdiby. So etwa Ludmila Kotabová. Für die alleinerziehende Mutter zweier Kinder ist die Lebensmittelhilfe die einzige Chance, über die Runden zu kommen. Tochter Eliška begleitet die Mutter -  morgen hat sie ihren zweiten Geburtstag. "Wir haben auch etwas zum Geburtstag bekommen, Schokobonbons! Die Lebensmittel sind eine große Hilfe, ich bin dankbar dafür. Vor allem für die Sachen für die Kinder."

Mann steht neben Obst und Gemüse in Kartons | Bildquelle: Danko Handrick
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Täglich nehmen Hilfsorganisationen Lebensmittel an ...

Lebensmittelkartons | Bildquelle: Danko Handrick
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... und verteilen bis zu zehn Tonnen täglich.

Klagen von Senatoren und Supermärkten

Auch Senator Jaroslav Kubera ist nicht gegen die Weiterverwendung von Lebensmitteln, die nicht mehr für den Verkauf geeignet sind. Und dennoch hat der Vorsitzende der oberen Parlamentskammer zusammen mit 24 seiner Senatskollegen gegen das Gesetz geklagt. Die Senatoren argumentierten damit, dass es sich bei der Verpflichtung zum Verschenken um eine Art der Enteignung handele. Das Verfassungsgericht hat die Klage zu Anfang des Jahres aber zurückgewiesen und das Gesetz bestätigt.

Kritisch sehen das Gesetz auch die Discounter. Dabei ist es für die oft günstiger, unverkäufliche Waren zu verschenken, anstatt sie teuer zu vernichten. Viele Einzelhändler haben daher auch vor dem Gesetz schon mit den Hilfsorganisationen kooperiert, allen voran die britische Handelskette Tesco, die die Lebensmittelbanken in Tschechien seit Jahren aktiv unterstützt. Durch die neue Richtlinie habe sich bei Tesco nichts am Umgang mit den Lebensmitteln geändert - allein die Bürokratie nehme zu, klagt der Unternehmenssprecher.

Deutsche Tafeln lehnen Gesetz ab

In Deutschland brauche man kein solches Gesetz, sagen die Tafeln. Die freiwillige Zusammenarbeit mit den Discountern funktioniere bis auf wenige Ausnahmen ganz gut, meint Jochen Brühl, der Bundesvorsitzende des Vereins  Deutsche Tafel e.V.  "Ich glaube es ist immer schwierig mit Gesetzvorgaben etwas zu ändern. Es geht um die Haltung und nicht nur um das Ende der Wertschöpfungskette, sondern es muss uns alle betreffen. Die Tafeln nutzen das System der Selbstverpflichtung auch jetzt ganz gut."

In Tschechien sind vor allem die Hilfsorganisationen mit dem Gesetz zufrieden. Für Menschen wie Ludmila Kotabová und ihre Kinder haben sie seitdem viel mehr Auswahl.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 16. Januar 2019 um 13:40 Uhr.

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