Donald Trump | KEN CEDENO/POOL/EPA-EFE/Shutters

Trump nach Corona-Infektion Zurück im Wahlkampf - ohne Maske

Stand: 06.10.2020 19:05 Uhr

Nach seiner Corona-Infektion spielt Trump das Virus bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus erneut herunter. Experten meinen, der Präsident wiege sich in falscher Sicherheit - ein Rückschlag sei nicht ausgeschlossen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

US-Präsident Donald Trump ist zurück im Weißen Haus und zurück im Wahlkampf, zumindest via Twitter. Am Morgen verglich er Covid-19 erneut mit der Grippe und fragte: "Schließen wir deshalb unser Land?" Nein, so seine Antwort. Die USA hätten gelernt, mit der Grippe zu leben, genau wie sie nun lernen, mit Covid zu leben.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Das also ist seine Erkenntnis aus der eigenen Erkrankung: Die Amerikaner sollen zurück zur Normalität und Covid-19 in ihr Leben integrieren wie die Grippe.

Gestern hatte sich Trump in einer auf den Treppenstufen des Weißen Hauses inszenierten Videobotschaft an die Amerikaner gewandt. Etwas kurzatmig, forderte er sie auf, keine Angst vor dem Coronavirus zu haben. "Lasst es nicht euer Leben bestimmen, geht raus, passt auf, wir haben die besten Medikamente der Welt", sagte Trump.

Trump möglicherweise noch ansteckend

Bei den Unterstützern des Präsidenten gab es für diesen Appell Applaus, Rudy Giuliani, der Ex-Bürgermeister von New York und ein enger Vertrauter, war bei Fox News heute beeindruckt. "Das könnte eine historische Botschaft sein", sagte er und zog eine Parallele zu Franklin D. Roosevelts berühmten Satz "Das einzige, vor dem ihr Angst haben müsst, ist die Angst selbst." Roosevelt hatte das 1933 gesagt, als die USA in einer tiefen Wirtschaftskrise steckten.

Im Lager der Demokraten kam die Botschaft anders an. Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat, widersprach. "Es gibt vieles, über das man sich Sorgen machen muss", sagte Biden gestern in einer Wahlkampfveranstaltung, "über 210.000 Menschen sind schon gestorben". Es sei ein ernstes Problem, eine Pandemie. Die USA hätten vier Prozent der Weltbevölkerung und 20 Prozent der Toten. Die Botschaft müsse stattdessen heißen, Masken sind wichtig, sie retten Leben, sie verhindern die Verbreitung der Krankheit, sagte Biden. Der Präsident hatte, nachdem er am Weißen Haus angekommen war, seine Maske abgesetzt, obwohl er noch ansteckend sein könnte, wie Experten meinen.

Dutzende weitere Infektionen im Umfeld

Dr. Antony Fauci, Chef des Instituts für Infektionskrankheiten, warnte, Patienten könnten nach fünf bis acht Tagen einen Rückschlag erleiden. Aber, sagte Fauci, Trump sehe gut aus. "So, wie er aus dem Hubschrauber kam, sah er aus, als sei er in ziemlich guter Verfassung", so Fauci bei CNN.

Andere Experten weisen darauf hin, dass die Steroide, mit denen Trump behandelt wird, eine falsche Sicherheit und täuschendes Gefühl von Gesundheit erzeugen könnten.

US-Medien berichten, dass das Weiße Haus nicht weiterverfolgen will, wie sich das Virus vor eineinhalb Wochen bei einer Veranstaltung im Rosengarten verbreitet hat. Ein Angebot der Gesundheitsbehörde CDC sei abgelehnt worden. Nach der Vorstellung der neuen Kandidatin für den Supreme Court war ein Dutzend Menschen positiv getestet worden, zuletzt Pressesprecherin Kayle McEnany und ein Pfarrer.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Oktober 2020 um 20:00 Uhr.