US-Präsident Trump am Telefon (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Aussagen von US-Insidern Trumps Telefon-Mobbing gegen Merkel

Stand: 01.07.2020 04:40 Uhr

Insider aus dem Weißen Haus berichten, wie US-Präsident Trump insbesondere mit weiblichen Staats- und Regierungschefs am Telefon rüpelhaft umgeht. Besonders auf Bundeskanzlerin Merkel habe er sich eingeschossen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Das sei Mobbing, wie sich der Präsident am Telefon verhalte, sagt Carl Bernstein, der als Watergate-Enthüller berühmt gewordene US-Journalist. Gegenüber verbündeten Regierungschefs verhalte sich Donald Trump rüpelhaft, insbesondere gegenüber Frauen.

"Im Bezug auf Alliierte bedrängt er sie. Fast sadistisch geht er mit Frauen am Telefon um, insbesondere Angela Merkel."

Besondere Zielscheibe sei auch die frühere britische Ministerpräsidentin Theresa May gewesen.

"Der bedrängte sie nicht nur, sondern nannte Merkel dumm und in der Hand der Russen."

"Nicht in der Lage, außenpolitische Beziehungen kompetent pflegen"

Bernstein hat im Auftrag des Senders CNN mit Dutzenden aktiven und ehemaligen Mitarbeitern des Weißen Hauses gesprochen, solche, die Trumps Telefonate mithören oder nachträglich lesen durften. Darunter frühere Außenminister, Verteidigungsminister und Stabschefs des Weißen Hauses. Die Bilanz:

"In Hunderten Telefongesprächen mit Regierungschefs war der Präsident nicht in der Lage, außenpolitische Beziehungen kompetent zu pflegen."

Er sei häufig schlecht vorbereitet gewesen und habe wichtige Positionen der USA einfach aufgegeben. Deutlich geworden sei vor allem, dass sich Trump von "starken Männern" besonders beeindrucken lasse, ja geradezu devot erscheine.

"Bei Telefonaten mit Putin suchte er fast sklavisch dessen Anerkennung."

Erdogan mit direktem Draht zu Trump

Der türkische Präsident Erdogan habe zeitweise zwei Mal in der Woche angerufen und sei auf Trumps Anweisung immer durchgestellt worden. Der habe ihn sogar öfter auf dem Golfplatz angerufen, mit dem Ergebnis, dass Trump die amerikanischen Truppen aus Syrien abzog und damit die verbündeten Kurden den Angriffen der Türkei schutzlos überließ.

Was Angela Merkel angeht, kommentiert das Kanzleramt den Bericht nicht, und ein Regierungssprecher verweist auf die Vertraulichkeit der Gespräche. Laut Carl Bernstein hätten Trumps aggressive Angriffe auf Theresa May durchaus einschüchternd gewirkt, genau das, was der Präsident beabsichtigt habe. Merkels Reaktion dagegen hätten seine Quellen ganz anders beschrieben:

"Sie ging sehr gut damit um. So wie Wasser auf dem Rücken einer Ente, ließ sie es an sich abperlen."

Trump und das Telefonmobbing gegenüber Merkel
Arthur Landwehr, ARD Washington
30.06.2020 23:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juli 2020 um 11:50 Uhr.

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