Demonstranten vor dem Trump Tower in New York | Bildquelle: AFP

Familientrennungen an US-Grenze Hunderte Kinder warten noch auf ihre Eltern

Stand: 30.07.2018 04:30 Uhr

Eigentlich hätten bei der Einreise getrennte Familien mit kleinen Kindern längst wiedervereinigt werden sollen. Doch die Trump-Regierung lässt sich weiter Zeit. Die Sorgen bei vielen Familien steigen.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Lourdes de Leon aus Guatemala hat ihren Sohn Leo seit zwei Monaten nicht gesehen. Seit sie sich der US-Grenzpolizei stellte und von ihrem Kind getrennt wurde.

Die Mutter, erzählt eine Reporterin im Sender "MSNBC", die mit ihr gesprochen hat, wurde inzwischen wieder in ihr Heimatland abgeschoben. Ihr sechsjähriger Sohn ist allein in einem Kinderheim in New York. Einmal alle acht Tage dürfen die Beiden miteinander telefonieren.

Donald Trump | Bildquelle: REUTERS
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US-Präsident Donald Trump wirft den Eltern illegalen Grenzübertritt vor.

Leo ist eins von rund 700 Kindern, die immer noch von ihren Eltern getrennt sind. 2500 Familien waren im Rahmen der sogenannten Null-Toleranz-Politik in den vergangenen Monaten auseinander gerissen worden. So sollte ihre - aus Sicht der Trump-Regierung - illegale Einreise in die USA verhindert werden.

Eltern widersprechen Darstellung der Regierung

Im Juni erklärte ein Bundesgericht die Praxis für unmenschlich und setzte eine Frist, vor deren Ablauf die Familien wieder zusammengeführt werden müssten. Die lief vergangenen Donnerstag ab. Doch nur 1800 Familien wurden bislang wieder vereint - und bei den übrigen ist immer noch unklar, wie es weitergeht.

Die Eltern von 400 dieser Kinder wurden bereits abgeschoben. Sie hätten zuvor schriftlich und freiwillig auf ihr Sorgerecht verzichtet, so das Heimatschutzministerium. Doch Lourdes, die Mutter von Leo, erklärte dem US-Sender "MSNBC", sie wisse gar nicht, was sie da eigentlich unterschrieben habe.

So wie Lourdes sei es über 100 Eltern ergangen, sagt die Bürgerrechtsorganisation ACLU, die viele der Familien vor Gericht vertritt. Diese Mütter und Väter sprächen kaum Englisch, es sei kein Übersetzer dabei gewesen und sie hätten sich unter Druck gesetzt gefühlt.

Richter kritisiert Verzögerung

Die Trump-Regierung beharrt darauf, das sie nur die Wünsche der Eltern erfülle. Die zuständige Ministerin, Kristjen Nielsen etwa erklärte im Sender "Fox News" schon vor dem Ablaufen der Frist: "Wenn die Eltern uns kontaktieren und sagen, sie wollen ihre Kinder zurück, dann werden wir mit ihnen arbeiten. Aber das sind Eltern, die sich entschieden haben, ihre Kinder nicht mitzunehmen."

Kirstjen Nielsen | Bildquelle: AFP
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US-Ministerin für Heimatschutz, Kristjen Nielsen.

Der zuständige Bundesrichter in San Diego hat die US-Regierung nun erneut aufgefordert, auch die übrigen Familien zu vereinen, auch wenn die Eltern bereits abgeschoben seien. Allerdings setzte Richter Sabraw keine weitere Frist. Aber er kritisierte die involvierten Behörden für ihre mangelnde Kommunikation und Vorbereitung.

Für die oppositionelle demokratische Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien hat das Chaos Methode: "Mittlerweile ist völlig klar, dass die Regierung nie vor hatte, diese Kinder zu ihren Eltern zurückzubringen. Deshalb hatten sie für diesen Fall nicht vorgesorgt. Und deshalb erleben wir jetzt seit Wochen dieses komplette Durcheinander."

Trump fordert schärfere Gesetze

Am Sonntag schaltete sich auch der US-Präsident in die Debatte ein: "Bitte versteht, dass es Konsequenzen hat, wenn Menschen unsere Grenze illegalerweise übertreten, egal ob sie Kinder haben oder nicht", so Trump auf Twitter. "Viele benutzen ihre Kinder sowieso nur für ihre eigenen bösen Absichten."

Und der Präsident forderte den Kongress auf, endlich die aus seiner Sicht "dümmsten und schlechtesten Einwanderungsgesetze der ganzen Welt" in Ordnung zu bringen und im Haushalt genügend Geld für die Mauer zu Mexiko einzustellen.

Sonst, so seine erneute Drohung, sei er auch zu einem Government Shut Down, einem Stillstand der Regierungsgeschäfte bereit.

Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien: Trump-Regierung lässt sich Zeit
Julia Kastein, ARD Washington
30.07.2018 09:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2018 um 05:50 Uhr.

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