US-Präsident Donald Trump. | Bildquelle: REUTERS

Widerstand gegen Trump Heftige Attacken von Parteifreunden

Stand: 20.07.2020 03:37 Uhr

Schlechte Umfragewerte, desaströses Corona-Management: Bei den Republikanern wächst der Frust über den US-Präsidenten. Seine parteiinternen Rivalen attackieren ihn - auch in extra produzierten Anti-Trump-Videos.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

55 Prozent zu 40 Prozent: Dass "Washington Post" und ABC News als eher linkslastige Medien Joe Biden 15 Prozentpunkte vor Donald Trump sehen, mag das Weiße Haus noch als liberales Wunschdenken abtun.

Aber dass auch Trumps Haussender Fox News dem Herausforderer am Wochenende einen Vorsprung von acht Punkten gegenüber dem Amtsinhaber attestierte - das saß im republikanischen Lager. "Zunächst mal: Ich verliere nicht", so gestern ein trotziger Donald Trump bei Fox News. "Das sind Fake Polls, noch mehr Fake als 2016."

"Die Leute trauen dem Präsidenten nicht mehr"

Doch so einfach lässt sich das Stimmungsbild nicht abtun: Mehr und mehr Parteifreunde zeigen sich irritiert über Trumps Corona-Handling. "Die Leute trauen dem Präsidenten nicht mehr", beobachtet der Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, ein Republikaner. "Das hat er sich selber zuzuschreiben."

Trumps Parteifreund nimmt die Corona-Task-Force des Weißen Hauses, zu der auch der Chefvirologe Anthony Fauci gehört, in Schutz. Aber: "Es geht um den Präsidenten, der heute so und morgen so redet", kritisiert Hogan.

Gouverneur von Maryland, Larry Hogan (Republikaner) | Bildquelle: AP
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Der republikanische Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, hat Trumps Corona-Politik deutlich kritisiert.

Neuinfektionen gehen nach oben

Vielerorts steigen die Fallzahlen weiter dramatisch an, doch Trump drängt weiter massiv auf eine Rückkehr zur Normalität. Und blieb auch gestern bei seiner umstrittenen These, dass Amerika die beunruhigende Corona-Statistik allein dem hohen Testaufkommen verdankt: "Die ganze Welt beneidet uns", sagte Trump im Fox-Interview.

Er bekomme durch zahllose Anrufe bescheinigt, dass Amerika Unglaubliches leiste beim Corona-Testen.

Trumps Test-These in der Kritik

In diesem Fernsehspot wird genau daran Zweifel geschürt: "Der betrügerischste und verlogenste Präsident aller Zeiten hat endlich einmal die Wahrheit gesagt", heißt es in dem Spot des Lincoln Project, das von Trump-kritischen Republikanern ins Leben gerufen wurde. Es folgt Trumps Anekdote, er habe das Testen verlangsamen lassen, damit die Fallzahlen nach unten gehen.

Lincoln-Project-Gründer Rick Wilson ist überzeugt davon, dass der innerparteiliche Unmut über diese Haltung weit größer ist, als Trumps Zustimmungsrate unter Republikanern vermuten lässt: "Donald Trump hält die Republikaner im Zaum, indem er ihnen Angst macht. Die wollen ihn nicht zum Feind haben - vor allem diejenigen nicht, die im Herbst wieder in den Kongress gewählt werden wollen." In dieser Wahlsaison bleibt Trump die einzige Chance der Republikaner, das Weiße Haus zu halten.

USA: Trump und seine parteiinternen Gegner
Sebastian Hesse, ARD Washington
20.07.2020 10:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juli 2020 um 10:29 Uhr.

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