US-Präsident Trump und Corona-Chefberater Fauci, Archivbild | Bildquelle: AFP

Corona-Krise in den USA Trump relativiert - Fauci kritisiert

Stand: 15.07.2020 21:44 Uhr

Während die Neuinfektionen in den USA einen Höchstwert erreichen, geht die Debatte um den Immunologen Fauci weiter. Nach neuer Kritik eines Trump-Beraters betont der Präsident sein gutes Verhältnis zu Fauci. Der findet das Vorgehen "bizarr".

Nach teils heftiger Kritik hat US-Präsident Donald Trump sein gutes Verhältnis zum Immunologen Anthony Fauci betont. Er sagte: "Wir sind alle im gleichen Team." Damit reagierte er auf einen Gastbeitrag seines Handelsberaters Peter Navarro. In der "USA Today" schrieb dieser, Fauci habe in jedem Punkt, in dem er mit ihm in der Krise zu tun gehabt habe, falsch gelegen. Er würde "nur mit Skepsis und Vorsicht" auf Fauci hören.

Die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Alyssa Farah, teilte auf Twitter mit, der Beitrag habe nicht den normalen Genehmigungsprozess des Weißen Hauses durchlaufen und verwies - wie auch der US-Präsident - darauf, dass dies ausschließlich Navarros Meinung wiedergebe.

Trump will Normalität - Fauci warnt

Dabei hatte Trump selbst Fauci zuletzt immer wieder öffentlich kritisiert. Ende vergangener Woche warf er dem Immunologen vor, "viele Fehler" gemacht zu haben. Am Sonntag verschickte das Weiße Haus eine Liste mit Aussagen Faucis an ausgewählte Medien, die zeigen sollte, dass sich dieser in der Pandemie mehrfach getäuscht habe. Die "New York Times" wertete das als Versuch, die Glaubwürdigkeit des Experten zu untergraben. Gesundheitsexperten reagierten entsetzt.

Fauci hatte sich zunehmend kritisch über die Entwicklung der Pandemie in den USA geäußert - und steht damit im Widerspruch zu den Botschaften Trumps, der sich trotz dramatisch steigender Infektionszahlen optimistisch zeigt und möglichst schnell zur Normalität zurückkehren will.

Fauci: Anschuldigungen sind "Unsinn"

In einem Interview mit dem Magazin "The Atlantic" wies Fauci die Anschuldigungen des Weißen Hauses gegen ihn als "Unsinn" zurück, der nicht hilfreich sei. Fauci sagte: "Ich kann mir in den wildesten Träumen nicht ausmalen, wieso sie das machen würden." Die Anschuldigungen rückten letztlich das Weiße Haus in eine schlechtes Licht, sagte er.

Fauci fordert zudem einen teilweisen Neuanfang. "Ich meine damit nicht, dass alle einen Lockdown vollziehen." Man müsse vielmehr "eine Auszeit nehmen" und dafür sorgen, dass alle an einem Strang ziehen. Wenn die von hohen Fallzahlen betroffen Bundesstaaten beschließen würden, es einige Wochen lang richtig zu machen - etwa mit einer Maskenpflicht - "garantiere ich, dass diese Zahlen fallen würden".

Rund 67.400 Neuinfektionen an einem Tag

Derzeit gehen die Zahlen in den USA aber weiter nach oben. Mit rund 67.400 Neuinfektionen wurde am Dienstag ein neuer Höchstwert erreicht, wie aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität hervorging. Zahlreiche Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes bremsten die phasenweise Wiedereröffnung der Wirtschaft oder nahmen Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zurück.

Insgesamt haben sich in den USA, wo rund 330 Millionen Menschen leben, mehr als 3,4 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 136.000 Menschen starben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2020 um 22:00 Uhr.

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