Mark Zuckerberg, Facebook | Bildquelle: AFP

Facebook und Trump Zuckerberg bleibt stur

Stand: 03.06.2020 08:22 Uhr

Facebook-Chef Zuckerberg hat den Unmut seiner Angestellten zwar vernommen, aber nicht erhört. Er bleibt dabei: Kein Post von US-Präsident Trump wird gelöscht. Am Ende könnte das seine Firma schwächen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Mark Zuckerberg bleibt bei seiner Entscheidung: Die Veröffentlichungen von US-Präsident Donald Trump auf Facebook werden nicht angerührt, sie bleiben im Original bestehen. Das hat Zuckerberg bei einer Videokonferenz mit Facebook-Mitarbeitenden gestern Mittag nochmals klargestellt.

"Zuckerberg ist sehr stur. Ich habe schon vorher gesagt, er wird von dieser Position nicht abweichen, und so ist es jetzt auch gekommen. Er hat dieselben Dinge gesagt, die er auch schon am vergangenen Freitag gesagt hat. Nämlich, weshalb er die Einträge nicht löscht und weshalb sie nicht gegen die Facebook-Richtlinien verstoßen", sagt Stephen Levy.

Er hat erst vor ein paar Monaten ein Buch über Facebook veröffentlicht. Der angesehene Journalist des Tech-Magazins "Wired" in San Francisco meint, Zuckerberg müsse sich niemandem gegenüber verantworten: "Er kontrolliert Facebook. Er kann den Aufsichtsrat überstimmen, weil er die meisten Unternehmensanteile besitzt. Er hat sich in der Geschichte des Konzerns immer wieder über die Entscheidung von Mitarbeitenden hinweggesetzt. In dem konkreten Fall geht es ihm darum, die Meinungsfreiheit so weit auszudehnen, wie es die Regeln von Facebook hergeben. So jedenfalls hat er sich das in seinem Ingenieurs-Kopf zurecht gelegt, und er möchte mit den Republikanern keinen Ärger bekommen."

Ausstand und Kündigungen - Mitarbeiter empört

Während also Konkurrent Twitter einzelne Veröffentlichungen nachweislich falscher oder gewaltverherrlichender Einträge mit einem Hinweis versieht oder sogar ausblendet - bei Facebook darf Trump ungehindert sagen, was er will.

Für viele Mitarbeitende brachte das in den vergangenen Tagen das Fass zum Überlaufen. Öffentlich begehrten sie gegen ihren allmächtigen Chef auf und legten die Arbeit am Montag nieder. Mehrere kündigten sogar ihre Jobs. Nahe der Villa Zuckerbergs in Palo Alto kam es wohl zu einer kleinen Demonstration.

Dass jetzt einige Facebook-Angestellte gekündigt haben, dürfte dem Unternehmen nicht so viel ausmachen, sagt Levy: "Schwerer dürfte wiegen, dass gute Leute nicht mehr bei Facebook arbeiten wollen. Da muss sich das Unternehmen Sorgen machen. Denn es könnte die Position des Netzwerks im Bereich Social Networking und im Anzeigengeschäft langfristig schwächen."

Facebook rutscht nach rechts

Facebook rutscht schon seit Monaten nicht nur gefühlt immer weiter nach rechts. Im Hintergrund zieht Joe Kaplan die Fäden, ein Konservativer, der als Chef-Lobbyist von Facebook seit fast zehn Jahren im Büro in der US-Hauptstadt arbeitet. Er stand schon in Diensten von Ex-Präsident Georg Bush und ist ein enger Freund des umstrittenen Verfassungsrichters Brett Kavanaugh.

Levy sagt, Zuckerberg höre auf Kaplan: "Kaplan bevorzugt die Republikanische Partei so sehr, dass mir Facebook-Leute im Washingtoner Büro erzählt haben, er arbeite mehr für die republikanische Partei als für Facebook. Er sieht seine Aufgabe darin, sich für die Republikaner einzusetzen." 

Trump hat eines geschafft: Er hat Facebook von den beiden anderen großen sozialen Netzwerken Twitter und Google mit seiner Videoplattform YouTube isoliert. Für den anstehenden Wahlkampf ist ohnehin nur eine Plattform wichtig: Facebook.

Facebook-Chef Zuckerberg bleibt stur
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
03.06.2020 07:55 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Juni 2020 um 15:20 Uhr.

Darstellung: