US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP

Keine Trump-Reisen nach Berlin Die kalte Schulter

Stand: 22.08.2019 04:07 Uhr

Am Freitag bricht US-Präsident Trump zum G7-Gipfel nach Frankreich auf, auch ein Trip nach Polen steht an. Um Deutschland macht er weiterhin einen großen Bogen. Es ist Ausdruck mieser Beziehungen - und eine Strategie.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Zu Deutschland fällt Donald Trump selten etwas Positives ein: Mal beschwert sich der US-Präsident, dass Deutschland sich auf Kosten der USA bereichern würde. Stichwort Export-Überschuss. Oder er verlangt höhere Verteidigungsausgaben. Stichwort Zwei-Prozent-Ziel. Und manchmal ist er auch schlicht neidisch, wie diese Woche. Stichwort: Niedrigzinsen.

"In Deutschland liegt die Zinsrate bei Null. Da werden die Leute noch dafür bezahlt, dass sie sich Geld leihen. Und damit müssen wir konkurrieren!"

Auch persönlich ist es schwierig: Wenn Trump mit Kanzlerin Angela Merkel zusammentrifft, wird es schnell kühl und oft auch peinlich: Mal gibt er ihr die Hand nur widerwillig, wie im Frühjahr 2017 im Weißen Haus. Mal gar nicht, wie diesen Sommer am Rande der D-Day-Gedenkfeier in Großbritannien.

Nur ein Trump-Besuch in Deutschland

Und in Berlin hat Trump Merkel auch noch nicht besucht. Sein einziger offizieller Besuch in Deutschland als US-Präsident war im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg. Auch bei seinen nächsten Europa-Reisen macht Trump wieder einen Bogen um Deutschland. Das ist kein Zufall, sagt Jacob Kierkegaard, Politologe an der Washingtoner Denkfabrik Peterson Institute for Internatioal Economics.

"Das ist einfach Ausdruck der momentanen Beziehungen zwischen der US-Regierung und Deutschland. Und die sind nun mal nicht gut. Es ist ja bekannt, dass Trump jede Menge über Deutschland zu Meckern hat. Und Trump ist jemand, der nicht an traditionelle Diplomatie glaubt. Also wenn er ein Land nicht mag, dann fährt er nicht hin."

Wie schnell sich das ändern kann, zeigt das Beispiel von Kierkegaards Heimatland Dänemark. Dort will Trump nun erstmal doch nicht hin. Weil Grönland nicht zum Verkauf steht. Doch das konsequente Linksliegenlassen von Deutschland als größter Volkswirtschaft in der Europäischen Union hat auch strategische Gründe, meint Kierkegaard.

Trumps Berlin-Aversion hat Plan

Die US-Regierung - vor allem in Gestalt von Außenminister Michael Pompeo und Sicherheitsberater John Bolten - mache aus ihrer Feindseligkeit gegenüber der EU kein Geheimnis, so Kierkegaard.

"Trumps europäischer Reise-Fahrplan ist ein ganz offensichtlicher Versuch, die EU zu spalten. Seine Regierung hat das ja auch schon ziemlich klar gemacht. Daran glauben sie. Sie sind Gegner des Multilateralismus."

Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton, amtierender Stabschef Mick Mulvaney und Außenminister Mike Pompeo (v.l.). | Bildquelle: AFP
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Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton, amtierender Stabschef Mick Mulvaney und Außenminister Mike Pompeo (v.l.) stehen dem europäischen Modell des Multilateralismus allesamt kritisch gegenüber.

 

Stattdessen reist der US-Präsident nun bereits zum zweiten Mal nach Polen. Dort sei er, anders als in Deutschland, sehr beliebt, sagt Kierkegaard. Zudem gibt es gemeinsame Interessen, auch gegen Deutschland: Polen und die USA lehnen den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream II ab. Außerdem wollen die USA in Polen eine Militärbasis aufbauen.

Polens Aufstieg zum Powerplayer in Washington

Warschau habe mittlerweile in Washington mehr zu sagen als Berlin, sagt deshalb Nile Gardener von der Washingtoner Heritage Foundation:

"Vor allem Polen ist zu einem einflussreichen Spieler in Washington aufgestiegen. Polen hat größeren Einfluss als Deutschland. Ich würde Polen derzeit als den zweit wichtigsten Verbündeten beschreiben, nach Großbritannien."

Ob und wie schnell Deutschland in den USA wieder an Einfluss gewinnt - das hängt ganz vom Ausgang der nächsten Präsidentschaftswahl ab, sagt Politologe Kierkegaard. Und das Trump in absehbarer Zeit wohl nicht in die Bundesrepublik reist, hätte ja auch Vorteile:

"Donald Trump als Gast zu haben, das wäre doch ehrlich gesagt ziemlich unangenehm. Er könnte keine großen öffentlichen Auftritte haben, weil die von lautstarken Protesten überlagert würden. Natürlich könnte er die Kanzlerin besuchen und den Bundespräsidenten. Und dann wieder nach Hause fliegen. Und man könnte einen Haken dran setzen, er war da. Aber was würde das Ganze bringen?"

Die meisten seiner Landsleute in Dänemark jedenfalls seien letztlich wohl ganz froh, dass Trump diesmal nicht nur um Deutschland, sondern auch um Dänemark einen Bogen macht, so Kierkegaard. Der US-Präsident sei nun mal ein schwieriger Gast.

Europa ja, Deutschland nein: Trump lässt Berlin wieder aus
Julia Kastein, ARD Washington
22.08.2019 05:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. August 2019 um 07:38 Uhr.

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