Donald Trump | Bildquelle: AFP

Weltwirtschaftsforum Was will Trump in Davos?

Stand: 24.01.2018 12:08 Uhr

Kurz vor seinem Abflug nach Davos hat Trump noch Strafzölle auf ausländische Produkte erhoben. Nun reist der "America First"-Präsident ins Mekka der Globalisierer. Was erhofft er sich vom Weltwirtschaftsforum?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Donald Trump im Oval Office | Bildquelle: AP
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Der öffentliche Termin im Oval Office einen Tag vor seinem Abflug nach Davos war kein Zufall.

Der öffentliche Termin im Oval Office einen Tag vor seinem Abflug nach Davos war kein Zufall. Mit dickem Filzstift unterzeichnete Donald Trump Anordnungen für Strafzölle auf ausländische Waschmaschinen und Solaranlagen. Damit erfülle er ein Wahlversprechen, erklärte Trump. Er werde amerikanische Unternehmen vor unfairen Dumpingprodukten aus dem Ausland schützen.

"Unsere Unternehmen werden nicht länger ausgenutzt", sagte er. "Und unsere Arbeiter werden wieder viele großartige Jobs haben, mit Produkten, hergestellt in den guten alten USA!" Dies werde auch eine seiner Botschaften in Davos sein, betonte Trump, ausländische Unternehmen sollten ihre Produkte in den USA herstellen, wenn sie auf dem amerikanischen Markt weiter gut verdienen wollen.

"Wir sorgen für Geschäfte in den USA"

So sei er zuversichtlich, dass die südkoreanischen Waschmaschinen-Hersteller demnächst Werke in den USA eröffnen und dann keine Strafzölle mehr zahlen. Zumal seine Steuerreform dafür sorge, dass Unternehmen in den USA deutlich weniger Steuern zahlen als bisher: "Ich bin von mindestens zehn großen Vorstandschefs angerufen worden, die in Kürze wesentliche Investitionen bei uns ankündigen werden. Zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahrzehnten sorgen wir wieder für Geschäfte in den USA."

Trump lehnt multilaterale Freihandelsabkommen ab, lässt das Freihandelsabkommen NAFTA mit Kanada und Mexiko zu Amerikas Gunsten nachverhandeln und will dies auch mit Südkorea tun. Besonders ärgert sich Trump über Länder, die einen großen Handelsbilanz-Überschuss mit den USA haben, so wie China und Deutschland.

Die Frage der Korrespondenten im Weißen Haus, ob seine protektionistische Politik nicht zu einem Handelskrieg führen könne, verneinte Trump.

Wenig später erläuterte Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn in der Pressekonferenz des Weißen Hauses, warum es den "America First"-Präsidenten ausgerechnet nach Davos zieht, ins Mekka der Globalisierer und Freihandels-Befürworter: "'Amerika zuerst' bedeutet nicht 'Amerika allein'. Wenn wir wachsen, wächst die Welt. Und wenn die Welt wächst, wachsen wir. Wir sind Teil einer Weltwirtschaft, daran glaubt auch der Präsident."

Demonstranten in Zürich halten anti-Trump-Plakate in die Höhe | Bildquelle: AP
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Umstrittener Besuch: In Zürich gab es Demonstrationen gegen Trumps Aufenthalt in Davos.

Trump wollte schon immer nach Davos

Trumps Wirtschaftsberater widersprach Befürchtungen, sein Chef werde die globale Wirtschaftselite in Davos mit einem nationalistischen Auftritt verschrecken. Trumps früherer Chefstratege Steve Bannon hatte Davos noch als "Hort der globalistischen Finanz- und Freihandels-Elite" bezeichnet, Gary Cohn sieht das Forum in den Schweizer Alpen dagegen als Chance.

Trump werde dort als "bester Verkäufer" für den Standort Amerika auftreten, so Cohn wörtlich. Für Donnerstagabend habe Trump einen kleinen Kreis europäischer Unternehmenschefs zum Dinner eingeladen, weil sie neue Investitionen in den USA planen. Politische Gespräche seien dagegen bislang nur mit der britischen Premierministerin May und Israels Ministerpräsident Netanyahu geplant.

Schon als Baulöwe von New York wollte Trump immer nach Davos eingeladen werden. Doch die Finanzelite zeigte ihm die kalte Schulter. Auch deshalb freut sich Trump, dass ihm nun die Aufmerksamkeit im erlauchten Kreis der Milliardäre sicher ist. Dagegen kennt Trumps Wirtschaftsberater Cohn Davos bestens - aus seiner Zeit als Investment-Banker.

Worauf er seinen Chef denn besonders vorbereitet habe, wollte ein Journalist wissen. Cohns Antwort: "Auf eine Menge Schnee - über vier Meter Schnee!"

Trump besucht Weltwirtschaftsgipfel in Davos
Martin Ganslmeier, ARD Washington
24.01.2018 12:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Januar 2018 um 05:06, 08:11 und 12:12 Uhr.

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