US-Präsident Donald Trump trägt bei einem Besuch in einem Militärkrankenhaus nahe Washington D.C. eine Schutzmaske. | dpa

Trump und das Coronavirus "Ich wollte es immer herunterspielen"

Stand: 10.09.2020 13:19 Uhr

Ein neues Buch bringt Präsident Trump in Bedrängnis: Darin wird klar, dass er die Gefahr durch das Coronavirus schon sehr früh kannte - obwohl er sich öffentlich oft anders äußerte. Trump verteidigte sein Vorgehen nun.

US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Worten die Coronavirus-Gefahr absichtlich heruntergespielt, um keine Panik auszulösen. Zugleich geht aus Auszügen aus Interviews mit dem Journalisten Bob Woodward hervor, dass Trump bereits Anfang Februar informiert war, dass das Virus sich über Luft überträgt und eine höhere Sterberate als eine Grippe aufweist.

Besonders zu Beginn der Pandemie hatte Trump Covid-19-Erkrankungen wiederholt mit einer Grippe-Infektion verglichen. Auch behauptete er öffentlich, dass die Sterberate niedriger als bei einer Grippe sei - und hielt im Frühjahr mehrere Wahlkampfveranstaltungen mit Tausenden Anhängern ab. Mehrfach stellte er in Aussicht, dass das Virus eines Tages einfach wieder verschwinden werde. In den USA starben mehr als 190.000 Menschen nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus - zum Teil auch weil sie Warnungen von Experten und Vorsichtsmaßnahmen wie Masken nicht ernst nahmen.

Bob Woodward | AP

Der legendäre US-Journalist Bob Woodward führte mehrere lange Interviews mit Trump. Bild: AP

Auszüge aus Woodward-Buch veröffentlicht

Woodward genießt im US-Journalismus den Status einer Legende, seit er und sein Kollege Carl Bernstein eine entscheidende Rolle im Watergate-Skandal spielten, der Präsident Richard Nixon 1974 den Job kostete. Sein neues Buch "Rage" (etwa: Wut) erscheint erst kommende Woche.

Der Sender CNN berichtete über das Buch vorab und veröffentlichte auch kurze Audio-Mitschnitte aus den Interviews. Darauf ist unter anderem zu hören, wie Trump am 19. März sagt: "Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will."

"Das ist tödliches Zeug"

In einem Gespräch am 7. Februar sagte Trump den Aufnahmen zufolge: "Das ist tödliches Zeug." Menschen müssten nicht erst Kontaktflächen anfassen, um sich anzustecken: "Man atmet einfach Luft ein, und das ist, wie es sich überträgt." Die Krankheit sei auch tödlicher als die Grippe, die pro Jahr 25.000 bis 30.000 Amerikaner das Leben koste.

Ende Februar sprach Trump unterdessen bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus davon, wie wichtig es sei, sich oft die Hände zu waschen und nicht jeden Griff anzufassen - und dass man sich der Krankheit gegenüber genauso wie bei einer Grippe verhalten sollte. Zugleich behauptete er öffentlich, dass die Sterberate niedriger als bei einer Grippe sei.

Trump verteidigte seine Vorgehensweise. "Das Letzte, was man will, ist, Panik im Land auszulösen", sagte er. "Wir wollen Zuversicht zeigen, wir wollen Stärke zeigen." Zugleich verwies er darauf, Maßnahmen wie eine Einschränkung des Reiseverkehrs mit China ergriffen zu haben. "Wir haben es in jeder Hinsicht gut gemacht", sagte er auf einer Veranstaltung im Weißen Haus. "Tatsache ist: Ich bin ein Cheerleader für dieses Land. Ich liebe unser Land, und ich will nicht, dass die Leute sich ängstigen."

"Er hat das amerikanische Volk belogen"

Trumps Herausforderer im Rennen ums Weiße Haus, Joe Biden, griff den Präsidenten scharf an. "Er wusste, wie tödlich es ist und hat es gezielt heruntergespielt. Schlimmer noch, er hat das amerikanische Volk belogen." Zehntausende Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn Trump schneller gehandelt hätte, sagte Biden. Er warf Trump in einem CNN-Interview ein "beinahe kriminelles" Verhalten vor. Trumps Verhalten sei "abscheulich".

Kritik an Zeitpunkt der Veröffentlichung

Woodward verteidigte den Zeitpunkt seiner Veröffentlichung. Kollegen hatten ihm vorgeworfen, er sei mit Trumps Aussagen erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen, damit sich sein Buch wenige Wochen vor der Wahl besser verkaufe. Auf diese Weise stelle Woodward Geschäftsinteressen über die öffentliche Gesundheit.

Woodward sagte dagegen, Trump erzähle Dinge, die einer Prüfung nicht standhielten. Als er im Mai herausgefunden habe, dass sich Trump bei seinen Interview-Aussagen über das Virus tatsächlich auf verlässliche Informationen gestützt habe, sei die Pandemie schon in den gesamten USA verbreitet gewesen: "Wenn ich damals die Geschichte über das gebracht hätte, was er im Februar wusste, hätte uns das nichts gesagt, was wir nicht schon wussten." Deshalb habe er sich darauf konzentriert, sein Buch vor dem Wahltermin herauszubringen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2020 um 05:05 Uhr sowie Deutschlandfunk am 10. September 2020 um 08:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 10.09.2020 • 11:44 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Alle wesentlichen Argumente sind genannt. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir, beschlossen die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation