Trumps Leibarzt Conley | Rod Lamkey/POOL/EPA-EFE/Shutters

Trumps Corona-Behandlung Zweifel trotz optimistischer Statements

Stand: 04.10.2020 01:44 Uhr

"Extrem zufrieden" - der Leibarzt des US-Präsidenten gibt sich hinsichtlich der Corona-Behandlung optimistisch. Doch es existieren auch andere Versionen. Trump äußerte sich aktuell in einem Video zu seinem Gesundheitszustand.

Einen Tag nach seiner Einlieferung in das Militärkrankenhaus Walter Reed hat sich US-Präsident Donald Trump zu seinem Gesundheitszustand geäußert. In einem Video auf Twitter sagte er, dass sich krank fühle, als er in die Klinik kam. Nun sei er auf dem Weg der Besserung. Man werde sehen, was in den nächsten Tagen passiere. Diese dürften seiner Ansicht nach zu einem "wahren Test" werden.

Zuvor hatte es nach der ersten Nacht in dem Militärkrankenhaus unterschiedliche Angaben über seinen Zustand gegeben. Er selbst twitterte, dass es ihm dank des Personals gut gehe. Auch Trumps Leibarzt Sean Conley hatte zuvor gesagt, dem 74-Jährigen gehe es "sehr gut". Conley sagte vor Journalisten am Krankenhaus nördlich von Washington, das Ärzteteam sei "extrem zufrieden mit dem Fortschritt, den der Präsident gemacht hat". Trump habe am Donnerstag und Freitag Fieber gehabt, sei inzwischen aber seit 24 Stunden fieberfrei. Trump habe unter leichtem Husten, Nasenverstopfung und Müdigkeit gelitten. Diese Symptome besserten sich nun aber.

Conley wich der Frage aus, ob Trump im gesamten Verlauf der Infektion keinen zusätzlichen Sauerstoff bekommen habe. Derzeit erhalte Trump keinen zusätzlichen Sauerstoff, sagte der Arzt lediglich. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP wurde Trump vor seiner Einlieferung im Weißen Haus zusätzlicher Sauerstoff verabreicht. Conley wollte kein Datum für eine Entlassung Trumps aus dem Krankenhaus angeben.

Der ebenfalls infizierten First Lady Melania Trump gehe es sehr gut. Bei ihr gebe es keine Anzeichen für eine Behandlung im Krankenhaus, sie erhole sich zu Hause.

"Sehr besorgniserregend"

Der Stabschef des Weißen Hauses, Marc Meadows, sagte hingegen die Werte des Präsidenten seien in den vergangenen 24 Stunden "sehr besorgniserregend" gewesen. Die kommenden 48 Stunden seien entscheidend. "Wir befinden uns noch immer nicht auf einem klaren Weg zu einer vollständigen Genesung."

Später sagte er der Nachrichtenagentur Reuters: "Dem Präsidenten geht es sehr gut." Er habe sich im Laufe des Tages mehrfach mit Trump getroffen und mit ihm über verschiedene Themen gesprochen.

Trump war am Freitagabend (Ortszeit) per Hubschrauber in das Krankenhaus geflogen worden. Das Weiße Haus sprach von einer Vorsichtsmaßnahme auf Empfehlung der Ärzte.

Veranstaltung im Rosengarten des Weißen Hauses mit Donald Trump anlässlich der Nominierung Amy Coney Barretts | dpa

Auf dieser Veranstaltung im Rosengarten könnten sich viele Gäste infiziert haben. Bild: dpa

Immer mehr Ansteckungen in Trumps Umfeld

Unterdessen werden in Trumps Umfeld immer mehr Ansteckungen bekannt. Auch sein Wahlkampfchef Bill Stepien wurde positiv auf das Virus getestet.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Vorstellung der konservativen Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den freien Posten am Supreme Court am Samstag vor einer Woche im Rosengarten des Weißen Hauses. Dort versammelten sich auf engem Raum mehr als 100 Menschen. Auf Fotos und Videos ist zu sehen, dass wenige Masken trugen oder Abstand hielten. Teilnehmer umarmten sich oder schüttelten sich die Hände.

Der ehemalige Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, auf der Veranstaltung im Weißen Haus | AP

Weitere Szene aus dem Rosengarten: New Jerseys Ex-Gouverneur und Trump Berater Chris Christie (Mitte vorn) im Gespräch mit anderen Gästen - auch er wurde positiv getestet. Bild: AP

US-Justizminister Barr und Ex-Präsidentenberaterin Conway | AP

Ex-Trump-Beraterin Conway wurde positiv getestet - hier redet sie am vergangenen Samstag im Rosengarten mit US-Justizminister Barr. Bild: AP

Hochrangige Teilnehmer infiziert

Bei mehreren Teilnehmern fielen seitdem Corona-Tests positiv aus: Neben dem Präsidenten und First Lady Melania Trump sind das die frühere Trump-Beraterin Kellyanne Conway, Trump-Berater Chris Christie, die Senatoren Mike Lee und Thom Tillis, der Präsident der katholischen Universität Notre Dame, John Jenkins, und ein Reporter.

Die Vereinigung der Korrespondenten im Weißen Haus teilte mit, neben dem Reporter, der bei der Veranstaltung im Rosengarten war, seien am Freitag zwei weitere Journalisten positiv getestet worden. Einer davon sei am Sonntag vor einer Woche bei einer Trump-Pressekonferenz gewesen, der andere habe zum Tross der mitreisenden Reporter bei einem Wahlkampfauftritt des Präsidenten am Tag zuvor gehört.

Auch die Vorbereitung des TV-Duells im Fokus

Weitere nun Infizierte haben US-Medienberichten zufolge an der Vorbereitung Trumps für die TV-Debatte des Republikaners mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden am Dienstag teilgenommen. Beteiligt an der Vorbereitung war neben Conway und Stepien auch die enge Trump-Beraterin Hope Hicks, deren Infektion Trump am Donnerstagabend öffentlich machte, bevor sein eigenes positives Testergebnis bekannt wurde.

Auch der infizierte Trump-Berater Christie nahm an den Vorbereitungen teil. Der ehemalige Gouverneur von New Jersey sagte dem Sender ABC, niemand im Raum habe Masken getragen, fünf oder sechs Menschen seien anwesend gewesen.

Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden wurde nach dem TV-Duell negativ getestet.

Auch die republikanische Parteivorsitzende Ronna McDaniel hat sich mit dem Virus angesteckt. Nach Angaben der Partei erhielt sie bereits am Mittwoch ein positives Testergebnis. Die "New York Times" berichtete, McDaniel sei zuletzt am Freitag vor einer guten Woche mit Trump zusammengetroffen.

Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota | AP

Trump am vergangenen Mittwoch auf einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota. Bild: AP

Wahlkampfveranstaltungen verschoben

Wahlkampfmanager Stepien hatte am Freitag mitgeteilt, alle Veranstaltungen, bei denen der Präsident persönlich auftreten sollte, würden verschoben oder nur online stattfinden. Unklar ist, ob der Republikaner an der nächste TV-Debatte mit Biden teilnehmen kann, die für den 15. Oktober geplant ist.

Trump hatte in den vergangenen Wochen Wahlkampfauftritte teils vor Tausenden Anhängern absolviert, bei denen er stets ohne Maske auftrat. Für Aufsehen sorgte etwa die Entscheidung, am Donnerstagnachmittag noch zu einem Treffen mit Spendern in New Jersey zu reisen, nachdem im Weißen Haus bereits der positive Test von Trumps Beraterin Hicks bekannt war. Auch am Mittwoch hatte sich Trump im Bundesstaat Minnesota mit Spendern getroffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2020 um 17:35 Uhr.