Trinh Xuan Thanh | Bildquelle: REUTERS

Mutmaßlich entführter Vietnamese Thanh zieht Berufung unerwartet zurück

Stand: 07.05.2018 17:23 Uhr

Zu zwei Mal lebenslang war der mutmaßlich aus Deutschland entführte Vietnamese Thanh verurteilt worden. Dagegen legte er Berufung ein - die er jetzt überraschend zurückzieht. Was könnten die Gründe sein?

Eigentlich hätte heute in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi der Berufungsprozess im Verfahren um den mutmaßlich aus Deutschland entführten Vietnamesen Trinh Xuan Thanh beginnen sollen.

Doch der frühere Geschäftsmann und kommunistische Parteifunktionär zog seine Berufung gegen zwei Urteile zu lebenslanger Haft überraschend zurück. Nach Angaben eines Gerichtssprechers machte der 52-Jährige dafür gesundheitliche Gründe geltend. In einem Schreiben ans Gericht betonte Thanh auch erneut seine Unschuld. Er erschien auch nicht vor Gericht, sondern blieb in seiner Zelle.

Spekulation über Gründe

Spekuliert wird nun darüber, warum er sich zu dem Schritt entschlossen hat. Denn er verzichtet damit darauf, seine Strafe zu reduzieren. Gab es im Hintergrund Absprachen? Das Auswärtige Amt in Berlin hielt sich bedeckt.

Eine Sprecherin sagte, man habe den Rückzug der Berufung zur Kenntnis genommen, jedoch keine näheren eigenen Erkenntnisse zu dem Vorgang. Der Verzicht auf die Berufung hat laut der deutschen Anwältin Petra Schlagenhauf, die Thanh als Nebenklägerin vertritt, viele Gründe. "Einer ist, dass er keine Hoffnung auf Gerechtigkeit hat", sagte sie.

Der Fall Thanh hatte international Schlagzeilen gemacht. Der Vietnamese war 2016 ins Ausland geflohen, als die ersten Korruptionsvorwürfe gegen ihn laut wurden. Er bat in Deutschland um Asyl. Ende Juli 2017 wurde er in Berlin verschleppt, mutmaßlich unter Mitwirkung des vietnamesischen Geheimdienstes.

Später wurde er im vietnamesischen Staatsfernsehen vorgeführt. Die Regierung in Hanoi erklärte, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt. Seine Anwältin Schlagenhauf bezeichnete diese Darstellung als Lüge. Auch das Auswärtige Amt sprach von "Menschenraub" und "Rechtsbruch".

Zu lebenslanger Haft verurteilt

Der ehemalige Vorstandschef eines staatlichen Baukonzerns war im Frühjahr in Hanoi wegen Korruption und Misswirtschaft in zwei Verfahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Um ein Todesurteil - was ebenfalls möglich gewesen wäre - kam er herum.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Mai 2018 um 07:00 Uhr und 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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