Thailänder füllen abgeschirmt durch Pappaufsteller Wahlzettel aus. | Bildquelle: AFP

Erste Wahl seit 2014 Ein "Schicksalstag" für Thailand

Stand: 24.03.2019 10:32 Uhr

Zum ersten Mal seit dem Militärputsch 2014 sind die Thailänder aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Doch die herrschende Junta hat sich bereits im Vorfeld ihre Macht gesichert.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Chatchart Citiphan spricht von einem "Schicksalstag" für Thailand. Mehr Geld für das Gesundheitswesen verspricht der Spitzenkandidat von Peu Thai, und er wolle den Menschen zuhören. Die größte Oppositionspartei wird nach letzten Umfragen vor der am Morgen gestarteten Parlamentswahl deutlich mehr Stimmen holen als die Militärs. Doch die Junta hat sich durch eine Verfassungsänderung vor zwei Jahren 250 Senatssitze gesichert, unabhängig vom Wahlergebnis. In Thailand herrscht übrigens Wahlpflicht.

Die einzig ernsthafte Konkurrentin für General Prayut Chan Ocha wäre Prinzessin Ubolratana gewesen. Die große Schwester des Königs ist populär in Thailand. Doch der kleine Bruder fand, dass politisches Engagement für einen Royal unangemessen ist. Also zog Ubolratana ihre Kandidatur für Thai Raksa zurück, woraufhin die Nachfolgepartei der Rothemden von der Wahl ausgeschlossen wurde.

Die thailändische Prinzessin Ubolratana | Bildquelle: JORGE ZAPATA/EPA-EFE/REX
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Prinzessin Ubolratana zog ihre Kandidatur zurück - auf Wunsch des Königs.

Kritische Stimmen unterdrückt

Überhaupt haben die Militärs es der Opposition nach Kräften schwer gemacht. Kritische Zeitungen und Rundfunkstationen wurden verboten, Häuser von Kandidaten durchsucht. Acht Jahre nach der letzten demokratischen Wahl und fünf Jahre nach dem Armeeputsch haben die Militärs das Land unter Kontrolle, sagt Historiker Chris Baker:

"Thailand ist sehr still geworden. Wenn man beispielsweise an der Uni auf eine Gruppe Studenten trifft, die über Politik diskutiert, dann merkt man, wie alle anderen sich umdrehen und auf ihre Füße schauen. Und so ist das seit fünf Jahren."

Vor allem bei junger Generation wächst Unmut

Doch der Unmut wächst. Vor allem die jungen Thailänder - sieben Millionen 18- bis 26-Jährige sind zur Wahl aufgerufen - stehen den alten Männern der Junta zunehmend ablehnend gegenüber. In dem Song "Rap against diktatorship" ("Rap gegen die Diktatur") fand ihre Wut ein Ventil. 60 Millionen Mal wurde er auf Youtube geklickt. Der Titel beschreibt ein Land, in dem die einzige Wahl ist, zu schweigen oder "von Soldatenstiefeln zertreten zu werden". Der Erfolg hat die Musiker vor Sanktionen des Regimes geschützt.

Parlamentswahl in Thailand
tagesschau 09:30 Uhr, 24.03.2019, Sandra Ratzow, ARD Singapur

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Eine friedliche Grabesruhe

Doch Prayut Chan Ocha und seine Generäle haben durchaus noch ihre Anhänger unter den 51 Millionen Wählern. Denn für viele war es die Armee, die mit ihrem Putsch die Gewalt auf den Straßen und die Kämpfe zwischen Rot- und Gelbhemden beendet hat, glaubt der Journalist Pravit Rojnapruk:

"Sie sehen, dass es ruhig und friedlich ist, mehr interessiert sie nicht. Auch wenn es eine Grabesruhe ist. Sie regen sich nicht auf über die Militärjunta, sondern über die Demonstranten auf der Straße und sagen: 'Das sind Unruhestifter, die produzieren bloß wieder neues Chaos im Lande.'"

Erste Ergebnisse der Wahl soll es bereits am Nachmittag geben, die Regierungsbildung dürfte aber Wochen in Anspruch nehmen. Daher wurde auch die offizielle Krönung von König Vajiralongkorn in den Mai verlegt, damit sie nicht von der Wahl überschattet wird.

Wahlen inThailand
Holger Senzel, ARD Singapur
24.03.2019 10:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. März 2019 um 11:00 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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