Inmitten einer Menschenmasse leuchtet eine aufblasbare, gelbe Gummiente - das Symbol der Protestbewegung in Thailand. | Bildquelle: AP

Proteste in Thailand Mit Gummienten gegen die Regierung

Stand: 26.11.2020 07:44 Uhr

Die Proteste in Thailand dauern an - gestern kamen erneut Tausende Demonstranten in Bangkok zusammen. Die Regierung geht hart gegen die mutmaßlichen Anführer der Pro-Demokratie-Bewegung vor.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Gelbe Gummienten, riesig und aufblasbar, klein und auf Kleidern und Kappen befestigt oder auf T-Shirts gedruckt, schmücken die Masse der Demonstranten. Die aufblasbaren Schwimmtiere waren eigentlich als Schutz gegen Wasserwerfer gedacht, aber inzwischen sind sie Symbol der Protestbewegung der Thailänder gegen ihren König, gegen ihre Regierung.

Rund 8000 Demonstranten hatten sich am Abend in Bangkok versammelt. Auf Plakaten steht: "Gib uns unsere Schätze zurück" oder "Wir wollen keine Sklaven sein". Sie stehen vor der Zentrale der Siam Commercial Bank. Das Geldinstitut gehört zu rund 24 Prozent dem thailändischen König. Eine der wichtigsten Forderungen der Demonstranten neben dem Rücktritt der Regierung ist mehr Transparenz, was die Finanzen des Königshauses betrifft. König Rama X. hatte nach seinem Amtsantritt die Kontrolle über das Eigentum der Krone übernommen. Mit einem Vermögen von geschätzten 30 bis 40 Milliarden Euro ist er einer der reichsten Monarchen der Welt.

"Wir können nichts überprüfen, was die Monarchie tut. So viele Fragen sind unbeantwortet, was ihre Besitztümer oder den Steuermissbrauch angeht", kritisiert eine Demonstrantin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.  

Vorwurf der Majestätsbeleidigung

Am Vortag hatte die Polizei 15 der vermeintlichen Anführer der monatelangen Proteste vorgeladen. Sie sollen sich der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht haben. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Gefängnisstrafe.

Im Juni noch hatte Premierminister Prayut Chan O-Cha versprochen, das Gesetz werde nicht mehr angewendet. Jetzt scheint er seine Meinung geändert zu haben. Immerhin betonte er, es solle kein Kriegsrecht ausgerufen werden, um die Proteste einzudämmen. Bestehende Gesetze seien genug, wie eben das gegen Majestätsbeleidigung.

"Dieses Gesetz ist vorsintflutlich und barbarisch. Jeder Einsatz dieses Gesetzes schadet der Monarchie und der Nation", sagt einer der Protestführer, der selbst vorgeladen wurde.

Auf einem Gutschein, der wie ein Geldschein geformt ist, ist eine Gummiente abgedruckt - das Symbol der Protestbewegung in Thailand. | Bildquelle: REUTERS
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Sogar auf Gutscheine hat es die Gummiente geschafft.

Regierung begehe "Machtmissbrauch an ihrem Volk"

Ursprünglich sollte die Kundgebung vor dem Crown Property Bureau stattfinden, dem Amt, das die Eigentümer der Krone verwaltet. Doch die Polizei hatte die umliegenden Straßen mit Containern und Stacheldraht abgesperrt. Zudem drohten Zusammenstöße mit königstreuen Demonstranten. Daher verlegte die Pro-Demokratie-Bewegung ihren Protest.

Nicht nur Jugendliche und Studenten, verschiedene Gruppen treffen sich hier in ihrer vereinten Opposition gegen die Machtausübung durch Krone und Regierung - wie der 59-jährige Piang: "Menschen mit anderen politischen Ansichten werden schikaniert. Dazu hat die Regierung die Oppositionspartei Future Forward Party aufgelöst. Ich kann so nicht leben. Ich widersetze mich dem Machtmissbrauch der Regierung an ihrem Volk."

Die gelbe Gummiente ist inzwischen nicht nur ein phantasievolles Symbol der Proteste geworden. Sie ist auch auf einem Zahlungsmittel gelandet: auf Gutscheinen im Geldschein-Look. "Eigentlich wollten wir sie an die Demonstranten verteilen, damit sie sich mit den Coupons an den Straßenständen etwas zu essen kaufen können. Aber jetzt wollen die Menschen sie als Souvenirs behalten", erklärt der 24-jährige Mai. Die Gummiente hätten sie als Motiv ausgewählt, weil sie ihnen in ihrem Kampf beistehe und sie beschütze.

Proteste in Thailand
Lena Bodewein, ARD Singapur
26.11.2020 07:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. November 2020 um 09:17 Uhr.

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