Retter in Thailand | Bildquelle: REUTERS

Jugendfußballer in Thailand Höhlen-Retter starten riskanten Einsatz

Stand: 08.07.2018 06:38 Uhr

In Thailand haben Helfer eine Aktion zur Rettung der eingeschlossenen Jungen begonnen. Knapp 20 Taucher sollen sie aus der überfluteten Höhle befreien. Die Zeit drängt: Es werden heftige Regenfälle erwartet.

Thailändische Einsatzkräfte haben mit der Rettung der in einer Höhle festsitzenden Jugendfußballmannschaft begonnen. Das teilte der für die Aktion zuständige Gouverneur in der Provinz Chiang Rai, Narongsak Osotthanakorn, mit.

"Das Wetter ist gut. Der Wasserstand ist gut. Die Taucher sind bereit. Die Jungen sind körperlich, seelisch und psychisch bereit, herauszukommen", sagte Narongsak. Australische Sanitäter hätten die Höhle am Sonntag betreten, um den Gesundheitszustand der Jungen zu bewerten. Sie hätten bestätigt, dass die Jungs bereit seien.

13 ausländische und fünf thailändische Taucher nähmen an dem Versuch teil, die Gruppe aus der Höhle ins Freie zu holen. Nach Informationen von ARD-Korrespondentin Sandra Ratzow soll jeder der Eingeschlossenen von zwei Tauchern begleitet werden. Gegen 21 Uhr lokaler Zeit (16 Uhr MESZ) könnten demnach die ersten Jungen das Freie erreichen.

Der Rettungseinsatz wird nach Angaben des Krisenstabs zwei bis drei Tage dauern. Die zwölf Fußballer und ihr Trainer sollen "einer nach dem anderen" aus der überschwemmten Tham-Luang-Höhle gebracht werden, sagte Generalleutnant Chalongchai Chaiyakorn. Die Dauer des riskanten Einsatzes hänge unter anderem vom Wetter ab.

Die Zeit drängt

Der Zeitpunkt für einen Bergungsversuch sei gerade günstig, sagt der Leiter der Mission. Offenbar konnten die Rettungskräfte viel Wasser aus der Höhle abpumpen, so dass man mittlerweile einen Teil des Weges in die Höhle hinein ohne Tauchequipment zurücklegen kann. Dennoch bleibt die Aktion ein Risiko: Über Stunden durch die überflutete Höhle zu tauchen, könnte lebensgefährlich für die geschwächten Jungen sein.

Rettung einer Jugendfußballmannschaft aus Höhle | Bildquelle: AP
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Die Jungen und ihr Trainer sind alle wohlauf.

Rettung einer Jugendfußballmannschaft aus Höhle | Bildquelle: AFP
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Angehörige warten vor der Höhle auf Rettung.

Doch noch ein anderer Punkt ist wichtig: Die Zeit drängt. Denn die Wettervorhersage meldet weitere Regenfälle - das setzt die Retter unter Druck, die Jugendlichen möglichst bald aus der Höhle zu befreien. Das Regenwasser dringt durch das Gestein in die Höhle ein, rasch kann der Wasserstand steigen.

Ein möglicher Tauchgang ist enorm gefährlich. "An manchen Stellen wird es sehr eng", sagt der dänische Rettungstaucher Ivan Karadzic, einer von vielen ausländischen Helfern und Bergungsspezialisten, die sich vor der Höhle bereithalten. "Man muss entweder den Atemlufttank abnehmen und ihn zuerst durchquetschen, oder man braucht Spezialausrüstung." Selbst professionelle Taucher benötigen fünf bis sechs Stunden, um von der Gruppe zum Ausgang zu gelangen.

Sauerstoffpegel sinkt

Das Wasser ist nicht die einzige Sorge, die die Helfer plagt. Am Zufluchtsort der Jungen wird der Sauerstoff knapp. Von normal 21 Prozent sank er bereits auf 15 Prozent, sagte Narongsak gestern bei einer Pressekonferenz. Auch die hygienischen Zustände seien "erbärmlich", berichtete die Zeitung "The Nation". Jeder aus der Gruppe müsse sich auf engstem Raum erleichtern. Bakterien, Viren und Pilze können sich leicht ausbreiten.

Die Gruppe sitzt auf einer trockenen Stelle etwa vier Kilometer im Höhleninneren fest, seit ihnen am 23. Juni eine Sturzflut den Weg ins Freie versperrt hatte. Steigt das Wasser, wird es auch dort eng. Die Gruppe müsste sich dann auf weniger als zehn Quadratmetern zusammendrängen, so die Taucher, die die Jugendlichen mit dem Nötigsten versorgen. Längerfristig ist keine Entspannung in Sicht, denn von Juni bis November herrscht Regenzeit in Thailand.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Juli 2018 um 07:00 Uhr.

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