Studentenprotest gegen die Regierung in Thailand | Bildquelle: AFP

Thailand begehrt auf Der verspottete König und die Jugend

Stand: 22.08.2020 15:42 Uhr

Seit Juli protestieren in Thailand viele junge Menschen gegen die autokratische Regierung und den König. Der lebt in Bayern und sorgt für Spott. Doch Majestätsbeleidigung wird schwer bestraft.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Ungeheuerliches tut sich Woche für Woche in Bangkok - jedenfalls nach thailändischen Maßstäben: Tausende - fast ausschließlich junge Menschen - kritisieren öffentlich die Monarchie. Dafür drohen 15 Jahre Haft, eine Menge Frauen und Männern sitzen derzeit schon allein wegen eines königskritischen Posts auf Facebook in den Gefängnissen.

Doch Maha Vajiralongkorn - Sohn des in Thailand verehrten Regenten Bumipol - hat die Monarchie ad absurdum geführt. Der König lebt weitgehend in Bayern, seine feudalen Eskapaden füttern regelmäßig die deutsche Boulevardpresse. Artikel, die sich auch in Thailands sozialen Medien rasant verbreiten, ebenso wie der wachsende Unmut seiner Untertanen. Der Hashtag "Wozu brauchen wir einen König" wurde eine Million Mal geteilt.

Maha Vajiralongkorn | Bildquelle: dpa
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Monarch Maha Vajiralongkorn hat einen schlechten Ruf in Thailand.

Den Demonstranten auf Bangkoks Straßen scheint die eigene Aufmüpfigkeit selbst noch nicht ganz geheuer. Höflich, beinahe entschuldigend, ist der Ton von Menschenrechtsanwalt Anon Nampa, der kurz nach seiner Rede verhaftet wird: "Wir müssen in der Lage sein, offen über die Monarchie zu sprechen", sagt er.

"Mit Respekt für die Institution der Monarchie natürlich - aber frei. Deshalb muss die Majestätsbeleidigung abgeschafft werden. Ich sage das nicht mit der Absicht, die Institution der Monarchie zu zerschlagen - sondern damit die Monarchie sich einfügen kann in diese Gesellschaft unter einer Demokratie mit einem König als Staatsoberhaupt."

d | Bildquelle: DIEGO AZUBEL/EPA-EFE/Shutterstoc
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Vor allem junge Menschen begehren in Thailand auf.

"Sie haben versagt"

Der  Protest der Jugend richtet sich aber nicht nur gegen die Monarchie, sondern auch gegen den früheren Armeegeneral Prayut Chan Ocha, der sich 2014 an die Macht putschte und vergangenes Jahr in einer umstrittenen Wahl als Premierminister bestätigen ließ.

"Zehntausende haben sich hier versammelt, weil sie unglücklich sind mit dieser diktatorischen Regierung der letzten sechs Jahre. Sie haben Menschen unterdrückt, die ihre Rechte einforderten", sagt ein Demonstrant. Ihn bringt die Allianz aus "demokratieverachtender" Regierung und "wahnsinnigem" König auf die Straße.

"Sie haben versagt darin, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, ihr Krisenmanagement während der Pandemie ist ein komplettes Desaster. Ich bin überzeugt, Millionen andere, die jetzt zu Hause sitzen, werden uns zustimmen. Wenn die Regierung nicht will, dass diese Proteste immer lauter und lauter werden - dann muss sie auf unsere Forderungen nach demokratischen Neuwahlen und der Abschaffung der Majestätsbeleidigung reagieren."

Demonstrant in Bangkok | Bildquelle: AFP
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Mit Kostümen oder wie hier mit Plakaten machen die Demonstranten auf das Versagen der Regierung aufmerksam.

Kreativer und gefährlicher Protest

Die Regierung reagiert, indem sie Aktivisten verhaften lässt. Die direkte Konfrontation scheut die Staatsmacht bislang, Polizei schreitet nicht ein gegen die Demonstranten mit ihren phantasievollen Aktionen - als Harry-Potter-Figuren verkleidet etwa, um zu protestieren gegen "den, dessen Name nicht genannt werden darf". König Rama als Lord Voldemort. 

Es ist ein Tabu- und Dammbruch, der sich da gerade vollzieht. Thailand steht vor einem gewaltigen Umbruch. Die Hoffnung ist, dass er sich friedlich vollzieht. Zum Verstummen bringen jedenfalls lässt sich der Ruf der Jugend nach Veränderung wohl nicht mehr.

"Ich glaube nicht mehr an Märchen"

"Ich bin hier, um zu zeigen, dass ich ein Hirn habe, dass ich selbständig denken kann", erklärt eine 17-jährige Schülerin. Sie könne eigene Entscheidungen treffen und wisse, wo sie Informationen finde. An Märchen glaube sie nicht mehr. "Ich will, dass die Mächtigen wissen, dass wir nicht länger hinnehmen, was Unrecht ist."

Wut im Land des Lächelns: Thailands Jugend erhebt sich
Holger Senzel, ARD Singapur
22.08.2020 15:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2020 um 05:40 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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