Schaufensterpuppen stehen in der Auslage in Herat/Afghanistan | dpa

"Unislamische Götzenbilder" Taliban wollen Schaufensterpuppen köpfen

Stand: 04.01.2022 16:56 Uhr

Seit ihrer Machtergreifung haben die Taliban in Afghanistan teils strenge Regeln für das öffentliche Leben erlassen. Nun trifft es auch die Modebranche: Schaufensterpuppen seien unislamisch und sollen langfristig verschwinden.

In Afghanistan haben die regierenden islamistischen Taliban weitere strenge Vorschriften verhängt: Modegeschäfte im Westen des Landes wurden aufgefordert, Schaufensterpuppen zu köpfen. Diese seien Götzenbilder und somit unislamisch, sagte Asisul Rahman, ein Provinzvertreter des neu geschaffenen Ministeriums zur Erhaltung der Tugend, der Nachrichtenagentur dpa. "Sie müssen beseitigt werden", erklärte Rahman. Zunächst solle es jedoch genügen, die Schaufensterpuppen zu enthaupten.

Der Chef der zuständigen Handelskammer in der Provinz Herat, Abdul Wadud Faissada, beklagte die neue Anweisung. Die Ladenbesitzer hätten viel Geld für die Schaufensterpuppen ausgegeben. Die Wirtschaft in Afghanistan befindet sich im freien Fall, Millionen Landesbewohner leiden Hunger. Die Modelle seien außerdem keine Götzenbilder, sondern würden zum Präsentieren von Kleidung aufgestellt. "Das gibt es in allen islamischen Ländern in den Geschäften", so Faissada.

Vor allem Frauenrechte werden beschnitten

In den sozialen Medien kursierten Videos, die zeigten, wie Köpfe von Schaufensterpuppen abgesägt wurden. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Taliban immer strengere Vorschriften für das öffentliche Leben erlassen. Zuletzt etwa wurden Autofahrer angewiesen, im Fahrzeug keine Musik abzuspielen.

Zudem sollen Frauen ohne männliche Begleitperson nicht weiter als 45 Meilen (etwa 72 Kilometer) reisen dürfen. Immer noch sind die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen geschlossen. Frauen können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Viele flohen seit der Machtübernahme der Islamisten im August 2021 aus dem Land.